Auf der CDU-Wahlkampfparty im Magdeburger Maritim-Hotel steht ein junger Mann mit schickem schwarzem Anzug, randloser Brille und Gel in den Haaren. Er ist von der Jungen Union und reichlich nervös. Er wünscht sich ein gutes Wahlergebnis für die Linkspartei. Denn noch ist nicht sicher, dass sie ausreichend Stimmen bekommt. Ausreichend, das heißt: mehr Stimmen als die SPD.

In den vergangenen Tagen hatte der vorher recht trockene Wahlkampf ganz plötzlich Zug bekommen. Die Grünen hatten unter dem Eindruck der  Katastrophe in Japan in den bundesweiten Umfragen zugelegt. Und die SPD – deren Spitzenkandidat Jens Bullerjahn gesagt hatte, Rot-Rot gebe es nur unter seiner Führung – lag plötzlich gleichauf mit der Linkspartei.

Irgendwann gegen halb sechs am Sonntagabend macht eine Mail die Runde, in der die voraussichtlichen Wahlergebnisse verbreitet werden. Die CDU wird stärkste Partei. Die Linkspartei liegt etwa zwei Prozentpunkte vor der SPD. Der Mann aus der Jungen Union lächelt. "Das sieht ja gut aus."

Dennoch fällt der Jubel in dem halbvollen Saal eher geschäftsmäßig aus, als um 18 Uhr die erste Prognose über die Leinwand flimmert. Denn viele CDU-Anhänger trauen der SPD noch nicht: Lässt sie sich auf eine Neuauflage von Schwarz-Rot ein? Oder nutzt Bullerjahn doch die Chance, mit Hilfe von Grünen und Linkspartei ins Ministerpräsidentenamt zu kommen? Der SPD-Spitzenkandidat vermeidet an diesem Abend eine klare Koalitionsaussage.

"Ich habe Angst", sagt Tobias Krull, Pressesprecher der Jungen Union. Bullerjahn werde Druck von seiner Basis und aus Berlin bekommen. Man müsse jetzt auf "aufrechte SPDler hoffen". Eine andere mutmaßt, Bullerjahn werde das "israelische Modell" anstreben, also mit dem Linken-Spitzenkandidaten abmachen, das Ministerpräsidentenamt über die Legislatur zu teilen. Erst Bullerjahn, drei Jahre später Gallert. "Der hat ganz fest damit gerechnet, dass er ins Amt kommt." Und wolle das jetzt durchziehen. Seine Partei sei dem doch egal.

CDU-Landeschef Thomas Webel hingegen reagiert demonstrativ zuversichtlich. Die CDU-Spitze weiß, dass die SPD nur um den Preis eines Ypsilantischen Wortbruchs die Koalition wechseln kann. "Wir setzen auf das Wort der SPD", ruft er unter dem Beifall seiner Anhänger in den Raum.