Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will CDU-Spitzenkandidat Reiner Haseloff die bisherige Große Koalition fortführen. "Die Menschen wollen eine Fortsetzung der bisherigen Konstellation", sagte er nach den ersten Hochrechnungen. Er gehe davon aus, dass die SPD wie im Wahlkampf angekündigt keinen Ministerpräsidenten der Linken wählen wird. "Ich denke, er (SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn, d. Red.) wird zu seinem Wort stehen. Er hat sich klar positioniert", sagte Haseloff.

Auch der scheidende Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hat sich für eine Fortsetzung der CDU/SPD-Koalition ausgesprochen. "Ich denke, für das Land wäre Stabilität das Beste", sagte Böhmer, der mit 75 Jahren aus Altersgründen nicht wieder für das Spitzenamt kandidiert hatte.

Die SPD-Landesvorsitzende Katrin Budde hat sich enttäuscht gezeigt. "Nein, das ist nicht, was wir uns erhofft haben", sagte sie. SPD-Spitzenkandidat Bullerjahn bekräftigte am Wahlabend, dass seine Partei nicht die Juniorrolle in einem rot-roten Bündnis übernehmen wolle. "Wir werden keine Koalition mit einem linken Ministerpräsidenten machen, das gilt nach wie vor", sagte er.

Die Linken wollen der SPD dennoch Gespräche über eine Koalition anbieten. Voraussetzung sei aber, dass die Linke auch den Ministerpräsidenten stelle, sagte Spitzenkandidat Wulf Gallert. Die Linke-Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch hat an die SPD in Sachsen-Anhalt appelliert, dort mit ihrer Partei zu kooperieren. Der "Erpressungsversuch" der SPD, die Linke klein zu halten, sei nicht aufgegangen. Die SPD müsse sich fragen, ob sie weiterhin in einer Koalition mit der CDU eine CDU-geprägte Politik mittragen oder aber "zusammen mit der Linken" für gemeinsame Ziele streiten wolle.

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Claudia Dalbert, zeigte sich hochzufrieden über den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt. "Das ist heute ein Tag der großen Freude für uns, wir haben uns nahezu verdoppelt", sagte sie in Magdeburg. "Die Ereignisse in Japan haben sicher viele motiviert, wieder Grün zu wählen." Vermutlich seien auch viele neue Wähler durch die klare Aussage ihrer Partei gegen die Atomenergie hinzugewonnen worden. "Das heißt für uns im Landtag ganz klar, dass wir auf einen Ausbau der erneuerbaren Energie setzen."

FDP-Spitzenkandidat Veit Wolpert hat sich angesichts des Ergebnisses zerknirscht gezeigt. "Das ist sehr enttäuschend für uns", sagte er. Auch die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Cornelia Pieper äußerte sich enttäuscht über das Scheitern ihrer Partei. Die Landesthemen seien von weltpolitischen Themen überlagert worden, sagte sie. So habe die Atomkraftdebatte den Grünen geholfen. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte: "Wir haben diese Wahl verloren, da gibt es nichts zu beschönigen." Die FDP werde die "Wahlniederlage gemeinsam tragen".

Einig waren sich die Parteien in ihrer Erleichterung über das schlechte Ergebnis für die NPD, die nach den Hochrechnungen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. "Es gibt einen großen Gewinner heute Abend, das ist die demokratische Kultur in Deutschland", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir begrüßte, dass die NPD den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt nicht geschafft hat. "Das ist ein wichtiges Signal über Sachsen-Anhalt hinaus", sagte Özdemir.

Die Wähler in Sachsen-Anhalt wollten nach Ansicht der Forschungsgruppe Wahlen vor allem Kontinuität. Wie auch schon die Abstimmung in Hamburg vor vier Wochen sehen die Forscher auch die Wahl in Sachsen-Anhalt ganz überwiegend landespolitisch geprägt.

Die CDU habe vergleichsweise gut abgeschnitten, weil ihr die Wähler die größte Sachkompetenz zugeschrieben hätten. Zum anderen sei für 42 Prozent der Wähler das derzeit heiß diskutierte Thema Atomkraft relevant gewesen. Ohne die Atompolitik wäre der Einzug der Grünen in den Landtag nicht sicher gewesen.