Kurz nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bestätigt sich das, was sich schon am Wahlabend andeutete: Die schwarz-rote Koalition hat große Chancen, weiter zu bestehen. Der SPD-Landesvorstand beschloss einstimmig, zunächst Sondierungsgespräche mit der CDU aufzunehmen. Die Sondierungen sollen am Freitag beginnen, am Montag darauf soll über Koalitionsverhandlungen entschieden werden. Die CDU ist zwar als stärkste Partei aus der Wahl hervorgegangen, ihr fehlt jedoch ein ähnlich starker Koalitionspartner.

"Wenn die CDU auf Kompromisse hinarbeitet, dann werden die Gespräche gelingen", sagte SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn. Niemand habe während der Sitzung verlangt, dass gleichberechtigte Gespräche auch mit den Linken geführt werden sollten. Eine Hintertür lässt sich die SPD dennoch offen: Der Landesvorstand werde nach den Gesprächen mit der CDU am nächsten Montag entscheiden, ob weitere Sondierungsgespräche notwendig seien.

Die Linkspartei bekräftigte unterdessen ihre Bereitschaft für ein rot-rotes Bündnis unter eigener Führung. Der Landesvorstand der Linken sprach sich einstimmig für Sondierungen mit der SPD aus. Bei der SPD hieß es, man habe das Angebot "zur Kenntnis" genommen. Eine Koalition unter einem linken Ministerpräsidenten hat Bullerjahn jedoch vor der Wahl ausgeschlossen. CDU-Spitzenkandidat Reiner Haseloff äußerte, er gehe davon aus, dass Bullerjahn "zu seinem Wort steht". 

Die CDU hatte bei der Landtagswahl am Sonntag gut ein Drittel der Stimmen auf sich vereinigt und hatte der SPD noch am Wahlabend die Fortsetzung der Koalition angeboten. Bereits in den vergangenen fünf Jahren hat die SPD gemeinsam mit der CDU eine Regierung gebildet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete das Abschneiden der Christdemokraten in Sachsen-Anhalt als großen Erfolg. Die CDU habe als deutlich stärkste Kraft den Auftrag zur Regierungsbildung, und es bestehe "mit Recht" Hoffnung auf eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition.

SPD-Bundesvorsitzender Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles betonten, die SPD gebe es "nicht zum Nulltarif". Es gebe "keinen Automatismus" für Schwarz-Rot, sagte Nahles. Es gehe in möglichen Verhandlungen mit der CDU für die SPD auch um politische Kernfragen wie Mindestlöhne und die Schulpolitik.