Die Führungsfrage der FDP ist vorerst entschieden: Philipp Rösler folgt Guido Westerwelle . Doch die Debatte um die inhaltliche Ausrichtung der Partei gärt weiter.

Da ist zum einen die Gruppe junger Liberaler um den Generalsekretär Christian Lindner und den designierten Parteichef Philipp Rösler. Sie fordern eine "Öffnung" der Partei und wollen dem Bürgerrechtsflügel und dem Sozial-Liberalismus wieder mehr Gewicht verleihen. Unter Westerwelle habe die FDP zu stark und auf einen monotonen Wirtschaftsliberalismus gesetzt. Dieses Engagement wiederum hat eine Gegenbewegung hervorgerufen, die davor warnt, vom marktliberalen Erfolgskonzept der FDP abzurücken. 

ZEIT ONLINE hat Vertreter beider Flügel zum Gespräch eingeladen. Johannes Vogel ist ehemaliger Vorsitzender der Jungen Liberalen und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP. Er wirbt für eine sozial-liberale Neuausrichtung der Partei. Sein Gegenpart in der Diskussion ist Martin Lindner, der technologiepolitische Sprecher der Fraktion. Er hält nichts davon, sich in einen Wettbewerb mit anderen links-liberalen Parteien zu stürzen.

Der Erfolg der Grünen in den vergangenen eineinhalb Jahren hat die FDP beunruhigt. Die einstige Öko-Partei findet großen Anklang bei den bürgerlichen Wählern. In der FDP warnen nun die einen davor, den Grünen programmatisch hinterherzurennen. Die anderen sagen, man müsse den Erfolg der Grünen ernst nehmen.

Entzündet hatte sich der Flügelstreit zuletzt an der Frage des Atomausstiegs. Generalsekretär Christian Lindner hatte mit seiner Forderung, die Alt-AKW dauerhaft vom Netz zu nehmen, viele Parteifreunde erzürnt. Man dürfe nicht versuchen, die gelbe Partei "grün" anzustreichen. Immerhin gehörte das Bekenntnis zur Atomkraft – vor Fukushima – zum festen Wertekanon der Partei.

Strittig innerhalb der FDP ist auch der Umgang mit dem Staat. In den Westerwelle-Jahren war dieser der Anti-Held liberalen Handelns. Man müsse den Staat abbauen und aufs Minimum reduzieren, so die bisherige FDP-Maxime. Inzwischen hat auch hier mancherorts ein Umdenken eingesetzt.