Außenminister Guido Westerwelle tritt beim FDP-Parteitag im Mai nicht mehr für das Amt des Parteivorsitzenden an. "Es ist die richtige Entscheidung, auch mit für einen Generationswechsel in der FDP zu sorgen", sagte Westerwelle in einer kurzen Erklärung in der Berliner FDP-Zentrale. Er wolle sich auf das Amt des Außenministers konzentrieren und so für den Erfolg der FDP arbeiten, sagte Westerwelle.

Westerwelle wurde nach den Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in der Partei seit Tagen dazu gedrängt, seinen Vorsitz aufzugeben.

Auffällig ist, dass er sich nicht zu seiner Vizekanzlerschaft äußerte. Ein einflussreicher Liberaler hatte vor Westerwelles Erklärung zu ZEIT ONLINE gesagt, er sehe nicht, dass Westerwelle Vizekanzler bleiben könne. Womöglich müsse Westerwelle auch auf die Funktion als Vizekanzler verzichten, um die Rolle eines neuen FDP-Chefs im Kabinett zu stärken, hieß es aus FDP-Kreisen.

Daniel Bahr, Landesvorsitzender der nordrhein-westfälischen FDP, dankte Westerwelle, fügte hinzu, die FDP stelle sich nun insgesamt neu auf. Christian Ahrendt, der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, sprach Westerwelle seinen Respekt aus. "Ich hätte mir gewünscht, dass man in der Partei anders mit ihm umgegangen wäre. Aber ich finde es gut, dass er jetzt den Weg für einen Neuanfang frei macht", sagte Ahrendt.

Die CDU reagierte zurückhaltend auf Westerwelles Schritt, Er bedeute keine Schwächung der Koalition, sagte CDU-Vize Norbert Röttgen. Der Schritt Westerwelles sei respektabel, alles Weitere sei Sache der FDP.  Die Grünen forderten, Westerwelle müsse auch das Amt des Außenministers aufgeben. Westerwelle habe sein Ministeramt dem Parteivorsitz zu verdanken, sagten die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin.

Eine Entscheidung über Westerwelles Nachfolger wird bereits am Montag erwartet. Westerwelle selbst schlug keinen Nachfolger vor, sondern beließ es bei der Formulierung, dass "viele junge Persönlichkeiten" bereit stünden.

Die meisten Chancen auf den Posten des Parteivorsitzenden hat offenbar Gesundheitsminister Philip Rösler. Für Rösler spricht, dass er innerparteilich beliebt ist, auf Parteitagen erzielte er oft die besten persönlichen Wahl-Ergebnisse. Er war bereits Wirtschaftsminister in Niedersachsen und ist somit etwas erfahrener und überdies sechs Jahre älter als der ebenfalls gehandelte Generalsekretär Christian Lindner.

Rösler soll allerdings daran interessiert sein, auch das Ministerium zu wechseln. Das Gesundheitsministerium soll sein Staatssekretär Daniel Bahr übernehmen, er selbst liebäugelt mit dem Wirtschaftsministerium. Das Problem: Der Amtsinhaber Rainer Brüderle will nicht weichen. Der Spiegel zitiert ihn mit den Worten: "Wenn man mich entsorgen will, muss man es blutig machen."