Seit ein paar Tagen sickert die Nachricht aus der Uni Bayreuth, aber erst seit Freitag ist es offiziell: Der wegen seiner in Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit zurückgetretene frühere Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die Ergebnisse zur Untersuchung seiner Doktorarbeit unterdrücken – gegen den erklärten Willen der Universität.

Deren Präsident Rüdiger Bormann verschickte am Freitagnachmittag eine entsprechende Mitteilung: "Dass Rechtsanwälte Herrn zu Guttenbergs gegen eine solche öffentliche Klarstellung in einem früheren Schreiben zunächst Vorbehalte geäußert hatten, hat man an der Universität Bayreuth zur Kenntnis genommen", heißt es da. Doch am Freitag nun habe man Guttenberg per Brief gebeten, "eine umfassende Information zu unterstützen".

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel wurde Bormann deutlicher: "Es besteht ein ganz starkes öffentliches Interesse, wie die Uni den Vorfall bewertet." Guttenberg selbst habe dies in seinen Reden angekündigt. Bormann sieht in dem Verhalten des Politikers einen "vollkommenen Widerspruch" zu dessen Rücktrittsrede , in der er Aufklärung versprochen hatte. "Es besteht ein ganz starkes öffentliches Interesse, wie die Uni den Vorfall bewertet." Man werde den Bericht aber nicht veröffentlichen, wenn der Politiker bei seinen Vorbehalten bleibe.

Der Ex-Minister war in den vergangenen Tagen nicht erreichbar, er ist nach Auskunft seines Kulmbacher Büros im Ausland. Mit einer Stellungnahme sei frühestens Montag zu rechnen.

Nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe hatte die Juristische Fakultät Guttenbergs Doktortitel im Februar zurückgenommen und die Angelegenheit ihrer ständigen Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" übertragen. Sie überprüft, wie schwer das wissenschaftliche Fehlverhalten Guttenbergs war.

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zog das Gremium bereits ein erstes Fazit: Demnach kommt die Kommission zu dem Urteil, dass der CSU-Politiker mit Absicht abgeschrieben haben muss. Ausmaß und Art der Plagiate in Guttenbergs Doktorarbeit ließen keinen anderen Schluss zu, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Kommission. Dass Guttenbergs Anwalt auf die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verweist, habe die Universitätsleitung sehr irritiert zur Kenntnis genommen. Schließlich habe er als Minister immer versichert, er wolle sich aktiv an der Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beteiligen.

Die Arbeit an dem Bericht, der der Uni voraussichtlich auch Empfehlungen zur Verbesserung ihrer Promotionsordnungen geben wird, soll noch im April beendet sein. Präsident Bormann geht davon aus, dass die Ergebnisse – mit Einverständnis Guttenbergs – im Mai veröffentlicht werden könnten. Der Kommission unter Vorsitz des Bayreuther Rechtswissenschaftlers Stephan Rixen gehören unter anderem als externe Experten der Konstanzer Philosoph Jürgen Mittelstraß und der Bonner Staatsrechtler Wolfgang Löwer an. Löwer ist auch "Ombudsmann für die Wissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die Staatsanwaltschaft im bayerischen Hof hatte bereits ein Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg eingeleitet . Sie will vor allem Verstöße gegen das Urheberrecht untersuchen und sich dabei auch auf die Ergebnisse der Bayreuther Kommission stützen. Es drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Mehr als hundert Strafanzeigen gegen Guttenberg waren eingegangen.

Hätte der Politiker seiner Dissertation auch eine eidesstattliche Erklärung beigelegt, nach der die Arbeit ohne unerlaubte Hilfsmittel angefertigt wurde, könnte er sich nach Auffassung von Bernhard Kempen, Rechtswissenschaftler in Bonn und Präsident des Deutschen Hochschulverbands, auch wegen eines Eidesdelikts strafbar gemacht haben. Tatsächlich verlangt die Juristische Fakultät in Bayreuth bisher jedoch nur eine "ehrenwörtliche" Erklärung von ihren Doktoranden.

Erschienen im Tagesspiegel .