"Die Hauptgewinner sind die Kinder", befand Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Ende Februar, als die Hartz-IV-Reform nach langem Streit endlich beschlossen wurde. Tatsächlich ist das in der Reform verankerte Bildungspaket auf den ersten Blick bemerkenswert: Kinder aus Geringverdiener-Familien bekommen künftig einen Teil der Beiträge für Nachhilfe, Sportvereine oder ein warmes Mittagessen vom Staat erstattet. Das soll ihnen eine möglichst normale Jugend ermöglichen und mehr Zukunftschancen eröffnen.

"Einfach und unkompliziert" sei das Verfahren zur Abrechnung, schreibt das Arbeitsministerium auf seiner Homepage. Doch wer sich in diesen Tagen in den Jobcentern und bei den kommunalen Stellen der Republik umhört, bekommt einen ganz anderen Eindruck. "Viele Schwierigkeiten" gebe es bei der praktischen Umsetzung, erzählt zum Beispiel der Geschäftsführer des Wuppertaler Jobcenters, Thomas Lenz. 18.000 Kinder und Jugendliche sind in seiner Stadt seit dem heutigen 1. April anspruchsberechtigt. Die genauen Verwaltungsabläufe seien aber nach wie vor unklar, seufzt Lenz. Bei den Mitarbeitern herrsche "Verunsicherung".

Hartz-IV-Empfänger könnten zwar Anträge auf Teilerstattung der Sportvereinsbeiträge oder auf Nachhilfeleistungen abgeben. Wer diese dann bearbeitet und nach welchen Kriterien genau sie genehmigt werden, ist aber noch immer unklar. Das liegt in erster Linie am Zuschnitt des neuen Gesetzes: Für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger sind die Jobcenter verantwortlich, die Rahmenbedingungen für die Ausgestaltung des Bildungspakets sollen aber von den Kommunen gesetzt werden.

Auch in Berlin, wo rund 200.000 bedürftige Kinder Anspruch auf Leistungen aus dem Paket haben, herrscht Chaos. "Das Problem ist einfach, dass hier viele Stellen zusammenarbeiten müssen", versucht ein Senats-Sprecher zu erklären. Hinzu käme die große Zahl der Anspruchsberechtigten. "Wir können bald in die Bearbeitung der Anträge einsteigen, schneller ging es leider nicht". Auf der Homepage der Stadt wird entsprechend schon mal darauf verwiesen, dass alles "anfangs etwas Zeit in Anspruch nehmen" könnte. Formulare, die sich Bürger herunterladen können, wurden erst am frühen Freitagabend online gestellt. Da Geringverdiener bereits seit heute Anspruch auf Geld haben, werden sie es sich in vielen Fällen also rückwirkend auszahlen lassen müssen.

Die aktuellen Verzögerungen sind ein Ergebnis der zähen Hartz-IV-Verhandlungen Anfang des Jahres: Lange war unklar, wer die Leistungen aus dem Bildungspaket verantworten wird. Ursprünglich wollte das Arbeitsministerium die Verwaltung bei der Agentur für Arbeit angliedern . Doch am Ende entschied die Verhandlungsgruppe aus Regierung und Opposition, den Kommunen die Federführung zu überlassen. Sie hätten die beste Übersicht über Sportvereinsangebote und private Nachhilfeinstitute, lautete ein Argument.