Ein"Silviplag" gibt es noch nicht. Die Doktorarbeit der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin, wird auf einer Untergruppe der Internet-Plattform " Vroniplag " auseinandergenommen, die sich der Dissertation von Edmund Stoibers Tochter widmet. Manchmal erinnert die Situation aber doch an "Guttenplag" und die Plagiatsaffäre um den zurückgetretenen CSU-Politiker .

Mit einem Unterschied: Gaben sich die bayerischen Staatsanwälte bei ihren Ermittlungen wegen Urheberrechtsverstößen gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) trotz Strafanzeigen anfangs sehr zugeknöpft, war man bei den Heidelbergern nach den Presseberichten empfindlich geworden und wurde von sich aus tätig.

Ein strafprozessualer "Anfangsverdacht" liegt allerdings noch nicht vor. Die Vorermittlungen werden laut Behördensprecherin Dorothee Acker-Skodinis "vorrangig geführt", damit zügig klar werde, ob sich der Verdacht erhärte. Die zuständigen Staatsanwälte prüften dabei neben Urheberrechtsverstößen auch eine mögliche Verjährung, da die Veröffentlichung der Dissertation 2002 erfolgt sei und daher bereits einige Jahre zurückliege. Auch müsse abgewartet werden, was die Universität Heidelberg zu der Angelegenheit sage. "Wir müssen wissen, ob die Vorwürfe zutreffen." Wenn sich der Verdacht aus rechtlichen Gründen nicht bestätige, würden die Ermittlungen auch "vorrangig eingestellt", sagte Acker-Skodinis.

Laut Urheberrechtsgesetz droht Plagiatoren eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe bis zu drei Jahren. Nach der Höhe der angedrohten Strafe richtet sich auch die Verjährungsfrist, grundsätzlich sind es laut Strafgesetzbuch in solchen Fällen fünf Jahre, seit die Tat beendet wurde. Welcher Zeitpunkt maßgeblich ist und ob noch weitere Verjährungsregeln greifen, untersuchen jetzt die Heidelberger Ermittler.

Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät prüft derzeit die Vorwürfe. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werde die „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Universität eingeschaltet, hieß es. Dann werde man auch die Politikerin um eine Stellungnahme bitten. Sollte sich herausstellen, dass Koch-Mehrin in großem Umfang abgeschrieben hat, ohne die genutzten Quellen hinreichend zu zitieren, kann ihr der Doktorgrad entzogen werden.

Und zumindest ein bisschen abgeschrieben hat sie wohl in ihrer Dissertation über die Lateinische Münzunion 1865-1927 und deren Bedeutung für die spätere Europäische Währungsunion. Auf mehr als 30 Seiten finden sich bei "Vroniplag" wörtliche oder weitgehend identische Textübernahmen aus anderen Werken.

Allerdings handelt es sich im Gegensatz zu Guttenberg, bei dem häufig auch nichtwissenschaftliche Texte aus dem Internet oder aus anderen Quellen herangezogen wurden, bei Koch-Mehrin meist um gängige Handbuchartikel oder Passagen aus verbreiteten Gesamtdarstellungen (zum Teil schon etwas älteren Datums). Zum Teil wird da nur schlichtes Faktenwissen wörtlich oder in einer etwas abgewandelten Version des Ursprungstextes wiedergegeben. Aber es gibt auch einzelne Urteile und Einschätzungen eines historischen Umstands, die ohne direktes Zitat übernommen werden. Zudem finden sich nach der Auflistung bei "Vroniplag" offenbar einige länglich zitierte Handbuchartikel nicht im Literaturverzeichnis von Koch-Mehrins Buch wieder. Andere wiederum sind dort korrekt genannt.

Erschienen imTagesspiegel.