Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wird in der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg keinen Strafantrag stellen. "Der Bundestagspräsident hat den Ältestenrat in seiner letzten Sitzung davon unterrichtet, dass dafür keine Notwendigkeit besteht", sagte Lammerts Sprecher Guido Heinen dem Berliner Tagesspiegel. Eine nähere Begründung dafür gab es nicht.

Lammert hatte sich deutlicher als andere Unionspolitiker von Guttenberg distanziert. Ihm wurde der Satz zugeschrieben, die Plagiatsaffäre sei der "Sargnagel" für das Vertrauen in die Demokratie. Dieser Ausspruch bezog sich allerdings nicht direkt auf die Affäre selbst. Er fiel im Rahmen einer Diskussion über mehr Bürgerbeteiligung und bezog sich auf eine Umfrage einer Boulverard-Zeitung zu der Frage, ob Guttenberg zurücktreten solle. Volksabstimmungen solcher Art seien der eigentliche "Sargnagel", nicht Guttenbergs Plagiate. In jedem Fall hatte er den ehemaligen Verteidigungsminister deutlich kritisiert.

Der wegen Plagiatsvorwürfen am 1. März zurückgetretene CSU-Politiker Guttenberg hatte in seiner Promotionsschrift seitenweise Passagen aus Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages übernommen, ohne ihre Herkunft kenntlich zu machen. Als Rechteinhaber der Gutachten wäre der Bundestag berechtigt, wegen einer möglichen Verletzung des Urheberrechts einen Strafantrag zu stellen.

Andere Plagiatsopfer zeigen sich weniger kulant. "Ich werde Strafantrag gegen Herrn zu Guttenberg stellen", zitiert die Berliner Zeitung eine allerdings nicht namentlich genannte Person. Derzeit werde ein Strafantrag für die zuständige Staatsanwaltschaft Hof ausgearbeitet. Es ist die erste Anzeige aus den Reihen der Geschädigten. Mit jedem weiteren Strafantrag direkt Betroffener wird eine Anklage gegen Guttenberg wahrscheinlicher.

Die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, die mit am stärksten von der Abschreiberei Guttenbergs betroffen war, sagte zunächst: "Ich bleibe dabei, dass ich nicht klagen werde. (...) Mir fehlt dazu die Zeit und die Motivation". In seiner Doktorarbeit hatte sich Guttenberg ohne Quellennennung auch aus einem Leitartikel Obermüllers in der Neuen Zürcher Zeitung bedient. Dafür entschuldigte sich Guttenberg später.

"Damit war die Sache eigentlich für mich erledigt", sagte Obermüller. Jetzt habe der Ex-Minister allerdings mit seinem Versuch, die Veröffentlichung eines Prüfberichts der Universität Bayreuth zu verhindern, "wieder ein neues Kapitel" eröffnet, so die Journalistin und Schriftstellerin. Gäbe es so etwas wie eine Sammelklage in Deutschland, könnte das in diesem Fall Sinn haben, sagte sie.

"Man möchte gerne wissen, wie diese Arbeit zustande gekommen ist", sagte der Liechtensteiner Politikwissenschaftler Wilfried Marxer, laut Berliner Zeitung ebenfalls ein Plagiatsopfer. Er wolle nun wissen, ob Guttenberg einen Ghostwriter hatte: "Die Frage ist nur noch, ob er selbst plagiiert hat, oder ob er jemanden hat plagiieren lassen. Beides wäre hochgradig unlauter und nicht standesgemäß."

Oberstaatsanwalt Reiner Laib sagte, mittlerweile lägen "über 100 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen vor". Diese stammten allerdings nicht von Geschädigten. Seine Behörde prüfe den Sachverhalt. Bei einer Verurteilung drohen Guttenberg bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.