Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in deutschen Städten bei Ostermärschen gegen Atomkraft und den Nato-Einsatz in Libyen protestiert. Zudem forderten sie ein Ende der Auseinandersetzungen in Afghanistan. Nach Angaben des zentralen Ostermarschbüros in Frankfurt waren deutlich mehr jüngere Leute bei den Demonstrationen dabei als in vergangenen Jahren.

In Berlin versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund 4000 Menschen. Die Polizei sprach von rund 1500 Teilnehmern. Die Teilnehmer starteten ihre Friedenskundgebung vor dem Gebäude des Energiekonzerns Vattenfall. Auf Plakaten forderten die Teilnehmer unter anderem "Die Sonne soll strahlen, nicht wir" und "Zivilisten vor der Nato schützen".

In München demonstrierten mehrere hundert Menschen unter dem Motto "Politikwechsel für Frieden und eine gerechte Weltordnung!". In der Hamburger Innenstadt forderten laut Polizei rund 150 Demonstranten "Bundeswehr raus aus Afghanistan! Atomwaffen abschaffen, Atomkraftwerke abschalten". In Kiel zählten die Beamten rund 140 Friedensaktivisten, die mit der Ansage "Es ist Krieg - Entrüstet Euch!" protestierten.

In Mainz zogen etwa 300 Menschen unter dem Motto "Für eine Welt ohne Krieg, Militär und Gewalt" durch die Innenstadt.

Die traditionellen Ostermärsche in Nordrhein-Westfalen starteten am Samstagmorgen in Duisburg. Am Osterwochenende werden nach Erwartungen der Organisatoren Hunderte Menschen gegen Krieg und Atomenergie protestieren. Die größte Bewegung in NRW ist der Ostermarsch "Rhein Ruhr", der mit 200 Menschen in Duisburg gestartet ist und in Düsseldorf endet.

Mit rund 170 Teilnehmern kam ein Anti-Atom-Treck auf seiner Fahrt quer durch Mecklenburg-Vorpommern am Samstag in Güstrow an. Bis zum Montag will der Protestzug von Kernkraftgegnern das Zwischenlager Lubmin erreichen. Im brandenburgischen Neutrebbin richtete sich der Protest gegen das geplante Kohlendioxid-Endlager. Nach Veranstalterangaben nahmen rund 500 Menschen daran teil.

Ostermärsche gibt es in Westdeutschland seit 50 Jahren. Sie entstanden 1960 nach britischem Vorbild und etablierten sich als politische Protestaktion der Friedensbewegung gegen Atomwaffen. Ihren Höhepunkt hatten die Ostermärsche in den frühen achtziger Jahren, als mehrere hunderttausend Menschen für den Frieden demonstrierten. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall des Ostblocks hat das Interesse nachgelassen.