Es ist eine schwierige ethische Frage. Sie betrifft in erster Linie Paare mit schweren Erbkrankheiten, die sich ein Kind wünschen, aber nicht wissen, ob dieses gesund zur Welt kommen kann. Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ermöglicht es ihnen, Embryonen vor einer künstlichen Befruchtung auf Krankheiten zu untersuchen. Diese könnten dann im Zweifelsfall nicht in den Mutterleib eingepflanzt werden. Doch ist eine solche Untersuchungsmethode verantwortbar?

Die PID spaltet die Bundestagsabgeordneten quer durch alle Parteien. Dennoch muss sie sehr bald neu geregelt werden, das hatte ein Urteil des Bundesgerichtshofs 2010 erforderlich gemacht. Drei Gesetzentwürfe wurden inzwischen zu diesem Thema erarbeitet. Alle sind von Politikern der verschiedensten Parteien unterschrieben, bei dieser schwierigen und emotionalen Frage soll es keinen Fraktionszwang geben.

Die PID-Gegner befürchten, dass eine Erlaubnis der Präimplantationsdiagnostik die Tür zu Designer-Babys öffnen könnte. Die Befürworter sagen, dass das Aussortieren von Embryos eine Mutter geringer belastet, als eine sonst möglicherweise erforderliche Spätabtreibung. Doch die PID-Befürworter sind gespalten in der Frage, ob Erbkrankheiten, die erst in fortgeschrittenem Alter auftreten, ein Grund für das Aussortieren von Embryonen sein darf. Daher gibt es hier zwei Gesetzentwürfe.

Zweieinhalb Stunden hat der Bundestag morgen angesetzt, damit in Ruhe über die insgesamt drei Papiere diskutiert werden kann. Eine Entscheidung wird noch nicht fallen. Bei ZEIT ONLINE erklären drei Abgeordnete einmal ganz persönlich, warum sie welchen Antrag mitgestaltet haben.

Johannes Singhammer (CSU): Für ein Verbot der PID

Unser Gesetzentwurf hat ein klares Ziel: Ein menschlicher Embryo darf nicht daraufhin untersucht werden, bestimmte genetische Eigenschaften zu erkennen. Ärzte, die das trotz Verbot tun, werden bestraft, nicht aber die Eltern.

Ich setze mich für ein ausnahmsloses Verbot der PID ein, weil – in einem Satz zusammengefasst – eine Qualitätskontrolle menschlichen Lebens nicht zulässig sein sollte. Die PID ist keine Therapie, sondern eine Auswahlentscheidung. Eine Bewertung menschlichen Lebens, ein Lebenseignungstest. Kurzum: Ein Eingriff in die Schöpfung. Wer immer eine solche Bewertung über menschliches Leben vornimmt, entscheidet, welches Leben gelebt wird und welches nicht. Er verschreibt sich der Idee der Machbarkeit und läuft Gefahr, Menschen zu verletzen, die medizinischem Optimierungsstreben nicht entsprechen.  

Vor allem aber muss jeder, der PID zulässt, Grenzen finden. Kann es eine verantwortbare Grenze sein, bei einer geringen Lebenserwartung von ein oder zwei Jahren einen menschlichen Embryo zu verwerfen? Ist es ein legitimer Verwerfungsgrund, wenn eine schreckliche Krankheit erst in der zweiten Lebenshälfte droht? Wie etwa bei dem sogenannten Veitstanz, der erst nach dem 40. Lebensjahr einen Menschen überfällt? 

Zählen die 40 Lebensjahre vorher dann nichts? Eine Differenzierung nach Lebenserwartung, eine Unterscheidung nach möglichen oder tatsächlichen Krankheiten löst nicht vorhandenes Leid, sondern schafft neue Diskriminierungen, die nicht gewollt sind.

Der nachvollziehbare Wunsch von Paaren, die unter hohem Leidensdruck stehen, ein gesundes Kind zu bekommen, kann nicht in eine völlige Freigabe der PID münden. Denn die Wirkungen auf Menschen sind enorm. Wie muss sich ein Mensch mit einer Behinderung fühlen, die als Auswahlkriterium geeignet ist, einen Embryo zu verwerfen? Welchem Rechtfertigungsdruck müssen Eltern von behinderten Kindern künftig Stand halten? PID wird sich deshalb nicht als Ausweg oder Hilfe, sondern als Sackgasse herausstellen.