Die Bundestagsverwaltung geht Medienberichten nach, wonach der Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer 1998 den Wahlkampf des SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder stärker als bekannt finanziell unterstützt hat. Die Bundestagsverwaltung ist für die Kontrolle der Parteienfinanzierung zuständig.

Das ARD-Magazin Panorama und die Hannoversche Allgemeine Zeitung hatten berichtet, dass Maschmeyer damals mit 150.000 Mark drei Zeitungsanzeigen einer Mittelstandsinitiative für Schröder finanziert habe. Um anonym zu bleiben, habe ein Mittelsmann die Anzeigen bezahlt.

An der Aktion sei mit Bettina Raddatz auch eine Mitarbeiterin der niedersächsischen Staatskanzlei beteiligt gewesen. Auch der heutige Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, habe davon gewusst. Schröder war damals Ministerpräsident, Chef der Staatskanzlei war sein enger Vertrauter Steinmeier. Wahlkampfhilfe aus der Staatskanzlei heraus verstößt gegen die notwendige Trennung von Regierung und Partei.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) forderte Steinmeier und die niedersächsische SPD auf, bei der Aufklärung zu helfen. Falls an den Vorwürfen etwas dran sei, werde es möglicherweise auch Dokumente dazu in der SPD-Geschäftsstelle geben. SPD-Landeschef Olaf Lies betonte, die Partei habe Interesse an einer umfassenden Aufklärung. "Uns ist aber nicht bekannt, dass Unterlagen dazu bei der SPD Niedersachsen vorliegen."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, forderte in der Welt, die Bundestagsverwaltung müsse Einsicht in alle Unterlagen zur möglicherweise illegalen Spendenpraxis der SPD im Bundestagswahlkampf 1998 bekommen. Die Verwaltung könne dann Rechenschaftsberichte der Partei erneut prüfen.

Steinmeier hatte dem ARD-Magazin Panorama schriftlich mitgeteilt: "Ob überhaupt, von wem und an welchen Empfänger Geld überwiesen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis." Etwaige politische Aktivitäten seien "außerhalb der dienstlichen Verantwortung dieser Mitarbeiter erfolgt." Maschmeyer ließ erklären, er könne sich an einen solchen Vorgang nicht erinnern.