Guido Westerwelle wird den FDP-Vorsitz abgeben. Das berichten Focus und Süddeutsche unter Berufung auf Parteimitglieder. "Westerwelle wird bereits in der nächsten Präsidiumssitzung am Montag sein Amt zur Disposition stellen", schreibt der Focus in seiner Samstagsausgabe. Außenminister und Vizekanzler wolle Westerwelle aber bleiben.

Direkt auf seine politische Zukunft angesprochen, lässt er jedoch alles offen: "Ich werde bestimmt nicht auf einer Auslandsreise in Japan zur Parteipolitik in Deutschland Stellung beziehen", sagte Westerwelle am Samstag nach seiner Ankunft in Tokio. "Das wäre unangebracht. Und das werde ich auch nicht tun." In den eigenen Reihen wird seine Doppelfunktion als Außenminister und Parteichef zunehmend in Frage gestellt.

Der Außenminister legte nach einem dreitägigen China-Aufenthalt noch einen Zwischenstopp in Tokio ein, um Japan nach der Atomkatastrophe Deutschlands Solidarität zu bekunden. Bislang hatte er auf der Reise zu allen Personalspekulationen geschwiegen. Westerwelle wird am Sonntagmorgen zurück in Deutschland erwartet. Am Montag wird sich das Parteipräsidium mit dem internen Machtkampf befassen.

Die monatelang schwelende Auseinandersetzung war nach der Wahlniederlage der FDP in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aufgeflammt. Westerwelle führt die Partei bereits seit 2001. Außenminister ist er seit Herbst 2009. Als Anwärter für seine Nachfolge im Parteivorsitz gelten unter anderem Gesundheitsminister Philipp Rösler, Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Generalsekretär Christian Lindner.

Der baden-württembergische FDP-Landesvorstand tritt nun auf Anregung der Vorsitzenden Birgit Homburger geschlossen zurück. Homburger hat nach eigenen Angaben am Samstag in einer Telefonkonferenz dem Präsidium den Vorschlag unterbreitet. Er sei einstimmig angenommen worden. Offiziell will der Landesvorstand den Schritt am 9. April gehen und damit den Weg für Neuwahlen auf dem Parteitag am 21. Mai freimachen. Dort will Homburger erneut für den Vorsitz kandidieren.

Dabei ist es durchaus möglich, dass sie Konkurrenz aus den eigenen Reihen bekommt. Als Gegenspieler gilt ihr Stellvertreter Michael Theurer. "Ich stehe bereit, in einem Team mehr Verantwortung zu übernehmen", sagte er. Voraussetzung sei eine grundlegende Modernisierung der Partei. Homburger war nach dem schlechten Ergebnis der Landtagswahl in die Kritik gekommen. Die FDP stürzte von 10,7 auf 5,3 Prozent ab und verlor ihre Regierungsmehrheit mit der CDU. Sie muss nun im Kernland der Liberalen in die Opposition.

Der parlamentarische SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann äußerte sich derweil kritisch zur Personaldebatte um Westerwelle: "Die junge Generation der FDP überzeugt nicht. Es ist schlicht feige, eine Nachfolgedebatte aus der zweiten Reihe genau dann zu inszenieren, wenn Westerwelle im Ausland ist. Lindner, Rösler und Bahr müssen am Montag endlich offen ihre Ansprüche anmelden. Oder diese Debatte stoppen."

Generalsekretär Christian Lindner hat den Stil der Führungsdebatte in der FDP kritisiert und Respekt für Westerwelle eingefordert. "Es erstaunt mich, wer jetzt alles glaubt, sich an Westerwelle reiben zu müssen und welches Vokabular dazu benutzt wird", sagte er bei einem FDP-Bezirksparteitag in Köln. "Wir erlauben es nicht, dass ihm dieser Respekt und der Anstand vorenthalten wird, den er verdient hat", fügte Lindner hinzu. Westerwelle habe "große und größte Verdienste um die FDP erworben".

Die FDP müsse nun zu einer "personellen und inhaltlichen Neuaufstellung" kommen. Für die Partei sei es gefährlicher, über ihre schwierige Lage zu schweigen als sie offen anzusprechen. Es komme aber darauf an, "anständig miteinander umzugehen". Bei der personellen Neuaufstellung gehe es nicht allein um den Bundesvorsitzenden. "Wir sprechen nicht nur über einen, sondern über die ganze Mannschaft", sagte Lindner. Es sei "essenziell erforderlich, mit neuen Gesichtern für Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Respekt und Sympathie zu werben".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Christian Ahrendt, bemerkte: "Die FDP hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das löst man aber nicht durch Personaldebatten und die Auswechslung von Personen." Er mahnte für den Bundesparteitag Mitte Mai in Rostock einen neuen Kurs in der Energiepolitik an. Ahrendt unterstützte den Vorstoß Lindners, die vorläufig abgeschalteten Atomkraftwerke für immer stillzulegen.