Die FDP strebt nach den Wahlschlappen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eine inhaltliche und personelle Erneuerung an. Dabei fällt immer häufiger der Name des Parteivorsitzenden. Spitzenliberale sprechen nicht mehr wie bisher von der Parteiführung, die sich neu aufstellen müsse, sondern beziehen sich konkret auf Guido Westerwelle. Westerwelle habe ein gutes Gespür für die Lage der Partei, sagte die bayerische Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die von ihrer Stellvertreterin Renate Will am Donnerstag bereits als Nachfolgerin ins Gespräch gebracht worden war. An der Basis gebe es ein "erhebliches Grummeln", keiner solle "an seinem Posten kleben".

Die Frage, ob Westerwelle nach den Wahlniederlagen als Partei-Chef weitermachen könne, gehöre "in den Kreis unserer Gesamtüberlegungen für ein Personaltableau", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Bis zum Bundesparteitag im Mai müsse sich die FDP neu ausrichten.

Auch Baden-Württembergs Landeschefin Birgit Homburger sagte, die FDP könne "nicht so weitermachen wie bisher". Die Partei müsse alles auf den Prüfstand stellen, sowohl inhaltlich wie personell. Wenn sie von "alles" spreche, meine sie damit selbstverständlich auch den Parteivorsitzenden. Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte Westerwelle indirekt zum Rückzug auf. "Ich gehe davon aus, dass Guido Westerwelle am Montag in der Präsidiumssitzung die richtigen Schlussfolgerungen aus der Gesamtsituation zieht", sagte er.

Homburger selbst gilt als Abtrittskandidatin, ebenso wie ihr rheinland-pfälzischer Kollege Rainer Brüderle. Parteivize Cornelia Pieper aus Halle stellte bereits ihre Parteiämter zur Verfügung – in Sachsen-Anhalt hatte die FDP zur Wahl vor zwei Wochen den Einzug ins Parlament verfehlt.

Homburger verteidigte sich und sagte, sie werde weitermachen. Weder als FDP-Landeschefin noch als Fraktionsvorsitzende in Berlin stehe sie als, so wörtlich, Bauernopfer zur Verfügung, damit Westerwelle an der Parteispitze bleiben könne.

Die Umfragewerte der Liberalen waren seit Monaten gesunken, teils unter die Fünfprozenthürde. In den Tagen seit den verlorenen Wahlen hatte es massive Kritik an den Verantwortlichen gegeben. Auch im FDP-Bundesvorstand meldeten sich Westerwelle-Kritiker offen zu Wort und drängten ihn zum Verzicht auf das oberste Parteiamt – bisher war als Zeitpunkt der Parteitag im Mai genannt. Zuvor wollte Westerwelle am 11. April mit den Landesvorsitzenden über die Neuausrichtung der FDP beraten.

Nun aber erwägt die Parteispitze laut Süddeutscher Zeitung, die Entscheidung über die FDP-Führungsmannschaft und damit das Schicksal von Westerwelle bereits am kommenden Montag zu entscheiden.

Es sei denkbar, dass das Parteipräsidium schon am 4. und nicht erst am 11. April über eine inhaltliche und personelle Neuaufstellung berate, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Parteikreise. Die Frage müsse so schnell wie möglich gelöst werden, denn die Diskussion erschwere inzwischen die Arbeit der FDP-Minister im Kabinett und destabilisiere so die schwarz-gelbe Bundesregierung. Westerwelle sei bereit, sein Amt als Vorsitzender auf dem Bundesparteitag in Rostock im Mai abzugeben, wenn sich ein geeigneter Nachfolger fände. Er wolle aber auf alle Fälle Außenminister bleiben.

Leutheusser-Schnarrenberger forderte ein geordnetes Prozedere bei einem Führungswechsel: "Wichtig ist, dass wir fair miteinander umgehen. Wir dürfen keinen Scherbenhaufen hinterlassen." Auf die Frage, ob Westerwelle auch als Außenminister infrage stehe, sagte sie: "Nein, wir reden jetzt nur über die Erneuerung der Parteispitze."

Ein aussichtsreiches Trio junger Liberaler, Generalsekretär Christian Lindner, Gesundheitsminister Philipp Rösler und Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Daniel Bahr griffen Westerwelle bisher nicht direkt an. Beobachter trauen ihnen aber eine wichtige Rolle in der Partei zu.

Der frühere FDP-Vize Walter Döring gehört nicht zu ihnen. Er kritisierte Generalsekretär Lindner. "Natürlich hat Lindner großes Potenzial, aber das reicht nicht für den Job des Parteichefs", sagte Döring. "Er hat noch nicht das Zeug dazu." Westerwelle dagegen habe "als einziger die Statur, den Laden noch halbwegs zusammenzuhalten". Deshalb laute sein Rat: "Einfach mal die Klappe halten, intensiv nachdenken und dann richtig durchstarten."

Auch Sachsens FDP-Landeschef Holger Zastrow sprach sich gegen einen Wechsel an der Spitze aus. Er habe weiterhin Vertrauen in Westerwelle, sagte er. Der Parteichef habe das richtige Gespür für Themen und die Partei erst groß gemacht. Man könne ihm aber ein Team zur Seite stellen, um die Liberalen breiter aufzustellen.