Durch den Abschlussbericht der Reaktorsicherheitskommission sehen sich nicht nur Atomgegner, sondern sieht sich auch die Atomlobby bestätigt. Obwohl Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf Sicherheitsrisiken bei mehreren deutschen Meilern hinwies, zeigt sich das Deutsche Atomforum felsenfest von der Sicherheit deutscher Atomkraftwerke überzeugt. "Ich bin nicht überrascht, dass die Reaktorsicherheitskommission das höhere Sicherheitsniveau der deutschen Anlagen gegenüber den havarierten Anlagen in Japan bestätigt hat", sagte Präsident Ralf Güldner.

Röttgen hatte bei der Vorlage des Prüfberichts das Abschalten derjenigen Atomkraftwerke angedeutet, die nicht oder nur geringfügig gegen Flugzeugabstürze gesichert sind. Besonders die Meiler Biblis A und B sowie Brunsbüttel und Philippsburg I hätten "keine nachgewiesene Sicherheitsauslegung" für diese Fälle. Keines der 17 deutschen AKW erfüllt laut dem Bericht in allen Prüfkriterien die höchste Anforderungsstufe. Damit könnte das endgültige Aus zumindest für die älteren Reaktoren besiegelt sein, weil Nachrüstung für die Konzerne unwirtschaftlich teuer werden dürfte.

Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Störfälle wie der im japanischen Fukushima mit einem Ausfall der Notstromversorgung und der Notkühlsysteme für deutsche Meiler unterstellt werden könnten, sagte Kommissionschef Rudolf Wieland. "In der Summe kann ich sagen: Es gibt einen großen Robustheitsgrad." Dies gelte auch für ältere Meiler, bei denen es Nachrüstungen an den Notsystemen gegeben habe.

Prüfkriterien der Sicherheitskommission waren neben dem Schutz vor Flugzeugabstürzen die Erdbebensicherheit, der Sicherheit bei Hochwasser oder beim Ausfall der Kühlung oder des Notstromsystems sowie Attacken aus dem Internet, sogenannte Cyberattacken. Die Prüfung habe Klarheit über die Risiken der einzelnen Meiler ergeben, erläuterte Röttgen. Manches Kraftwerk erfülle in einzelnen Prüfbereichen die höchsten Sicherheitsanforderungen (Level 3, etwa der Absturz eines schweren Flugzeuges), in anderen dagegen nur die niedrigsten (Level 1).

Die Prüfung habe aber kein Argument geliefert, weswegen man in Deutschland aus sicherheitsrelevanten Gründen "Hals über Kopf" aus der Kernenergie aussteigen müsse. Es bleibe aber bei dem Ziel eines schnellstmöglichen Endes der Atomkraft. Die Kommission selbst gab keine Empfehlung für das Abschalten einzelner AKW ab.