Wie groß muss die Zufriedenheit sein, wenn man für eine Sache vier Jahrzehnte gekämpft hat und sie nun umgesetzt sieht? Wenn in diesem Kampf einer der wichtigsten Daseinsgründe lag? Man vermutet: sehr groß, riesig, überwältigend.

So verwundert die Stille, die jetzt herrscht, wo Deutschland beschlossen hat, aus der Kernenergie auszusteigen. Keine Euphorie, kein Jubel unter den langjährigen Atomkraftgegnern. Stattdessen: ein nöliges "So einfach geben wir das grüne Prüfsiegel für den Atomausstieg nicht" des grünen Bundesvorsitzenden Cem Özdemir. Sein "Wir wollen wirklich beteiligt werden" klingt eher beleidigt als freudig.

Dabei ist der eben beschlossene Ausstieg wohl tatsächlich besiegelt. Selbst wenn sich an manchen Details der Umsetzung wie der Frage nach den Endlagerstätten sicherlich noch große Konflikte entzünden werden: Wer sollte hinter diese Entscheidung, die eine schwarz-gelbe Regierung getroffen hat, noch zurückkehren können ? Eine rot-grüne Regierung wohl kaum, eine große Koalition auch nicht.

Die Atomkraftgegner, die sich – erinnern wir uns kurz – in den achtziger Jahren vor allem aus einem jungen, linken Bevölkerungsteil rekrutierten, haben die ganze Gesellschaft für sich eingenommen. Sicher, Fukushima war Auslöser für die jüngste Entscheidung. Doch wirkte die Katastrophe nur in Deutschland wie ein Katalysator für den endgültigen Ausstieg, weil hier das Bewusstsein flächendeckend entwickelt und vorbereitet war. Weder in Frankreich oder Schweden noch in Japan selbst haben die Kernschmelzen zu einem so radikalen Schritt geführt.

Ein hochindustrialisiertes, dabei ressourcenarmes Land will künftig auf die Energiegewinnung durch Kernkraft verzichten. Das beeindruckt. Auch in anderen Ländern. "Mutig" ist dort zu lesen, "Deutschland hat sich entschieden voranzugehen" , "eine große Herausforderung für die Wirtschaft" . Neugierig wird man im Ausland beobachten, ob das deutsche Modell eines für die eigene Zukunft sein kann.

Da darf man einmal an all die Atomkraftgegner und jene Grüne erinnern, die sich dafür einst eingesetzt haben – auch wenn den Parteipolitikern unter ihnen (und offenbar auch ihrem Vorsitzenden Özdemir) die Aussicht auf eine Suche nach neuen Daseinsgründen gerade die Laune verhagelt. Man möchte ihnen zurufen: Freut euch! Ihr habt es doch für alle getan.