Es war ein furchtbares Zeugnis, das der Minister seiner Bundeswehr ausstellte: Die Truppe sei dramatisch unterfinanziert, sie sei "in vielen Gliedern" krank. Vor dieser Erkenntnis habe man sich in Deutschland "Jahrzehnte lang gedrückt". Harte, aber ehrliche Worte. Ausgesprochen hat sie nicht Thomas de Maizière, der neue Verteidigungsminister. Sondern sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg.

Trotzdem wird de Maizière in diesen Tagen als einer beschrieben, der nach all dem Guttenberg-Pathos der vergangenen Monate endlich und erstmals klar benenne, wie es um die Truppe stehe. Denn auch de Maizière nahm in den vergangenen Tagen kein Blatt vor den Mund, wenn er über die Zustände im Ministerium und in der Bundeswehr sprach. Doch im Grunde genommen wiederholte er nur, was zuvor schon Guttenberg gesagt hatte. Und vor ihm die von Guttenberg eingesetzte Reformkommission um den Chef der Arbeitsagentur Frank-Jürgen Weise.

So ist das im politischen Geschäft. Der Wind dreht sich schnell. Was kürzlich noch Guttenberg zugeschrieben wurde – eine klare Sprache – gilt jetzt als Charakteristikum des Nachfolgers. Sogar die SPD-Opposition ist plötzlich von den Reformvorhaben im Verteidigungsministerium ein bisschen mehr angetan als zuvor.

Dabei ist das, was Thomas de Maizière diesen Mittwoch als Neuausrichtung der Bundeswehr vorstellte, in weiten Teilen Guttenbergs Reform – so ungern das mancher zugeben will. 

De Maizière will die Truppe auf 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten reduzieren. Das wollte Guttenberg auch. De Maizière will im Ministerium aufräumen und dort 1500 Stellen streichen. Guttenberg sah sogar 1700 Jobs als überflüssig an. De Maizière will Doppelstrukturen in der Führungsstruktur abbauen. Auch das wollte Guttenberg. De Maizière will, dass künftig mehr als nur 7000 Soldaten gleichzeitig in den Auslandseinsatz geschickt werden können. Dito Guttenberg.

Selbst das, was de Maizière nun als antiguttenberg'sche Vernunft ausgelegt wird, die Erkenntnis nämlich, dass Reform und Sparvorgaben (acht Milliarden bis 2015) keinesfalls in Einklang zu bringen sind, war dem späten Guttenberg ebenfalls gekommen. Durchsetzen konnte er sich damit beim Finanzminister nicht. De Maizière schon, sein Verhältnis zu Schäuble ist offensichtlich besser.