Weise, Guttenberg, de Maizière – sie hatten und haben alle Recht: Die Bundeswehr muss dringend reformiert werden. Im Grunde konnte der Truppe nichts Besseres passieren, als zuerst von einem lautsprecherischen Gernegroß ans Tageslicht gezerrt zu werden, um nun von einem zurückhaltenden Arbeiter umgestaltet zu werden. De Maizière wäre wohl niemals auf die Idee gekommen, die Wehrpflicht, dieses Relikt des Kalten Krieges, einfach wegzuquatschen.

Dafür muss er nun liefern. Wo Guttenberg eine Schneise geschlagen hat, muss de Maizière mit der Bepflanzung beginnen. Gerade Guttenbergs Konzept des freiwilligen Wehrdienstes ist so stümperhaft ausgedacht, dass sich in der Union schon manch einer wieder die alte Zeit zurückwünscht. De Maizière muss schleunigst dafür sorgen, dass ausreichend Freiwillige gefunden werden. Einfach mit weniger freiwilligen Bewerbern als Guttenberg zu rechnen , reicht nicht aus. Auch muss der Verteidigungsminister den Soldaten bald eröffnen, welche Kasernen geschlossen werden.

Vor allem aber muss er der Truppe und der Öffentlichkeit schlüssig erklären, welche Sicherheitspolitik hinter der Bundeswehrreform steckt. "Wohlstand erfordert Verantwortung", hat de Maizière am Mittwoch gesagt. Deutschland werde künftig auch dann an Auslandseinsätzen teilnehmen müssen, wenn keine unmittelbaren nationalen Interessen erkennbar seien.

Dafür aber ist ein transparenter Kriterienkatalog nötig, andernfalls wird Sicherheitspolitik beliebig. De Maizières neue Verteidigungspolitische Richtlinien sind da ein Anfang. Mehr allerdings noch nicht.