Die FDP will noch vor ihrem Parteitag Mitte Mai auf ihre Krise reagieren: Der designierte Parteivorsitzende Philipp Rösler einigte sich mit Bundestagsfraktionschefin Birgit Homburger darauf, schon am Dienstag und nicht erst im Herbst den Fraktionsvorstand neu zu wählen. Die Abgeordneten müssen diesen Termin aber noch geschlossen bestätigen.

Die 46-jährige Homburger will wohl erneut antreten – trotz der herben Schlappe vom Samstag, als sie nur denkbar knapp als Landesvorsitzende in Baden-Württemberg wiedergewählt wurde. Sie steht innerparteilich wegen der deutlichen Verluste bei der Landtagswahl Ende März sowie wegen ihres Führungsstils in der Kritik. Ihre Gegner drängen sie seit Wochen zum Rückzug von der Fraktionsspitze.

Offen ist daher, ob es vor der nun angedachten Neuwahl zu einer Kampfkandidatur kommt. Als Alternative zu Homburger ist der Rösler-Vertraute Daniel Bahr als neuer Fraktionschef im Gespräch. Auf einer bis Montag dauernden Fraktionsklausur wurde in dieser Frage keine endgültige Entscheidung mehr erwartet. Homburger werde wohl bis Dienstag sondieren, ob sie noch genug Rückhalt bei den 93 Abgeordneten hat, hieß es.

Für Rösler könnte die Neuwahl in der Fraktion ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu seinem künftigen FDP-Führungsteam sein. Er will am Donnerstag, dem Vorabend des Rostocker Parteitags, sein Personaltableau fertig haben. "Die FDP hat nur einen Schuss frei, und der muss sitzen", sagte der Gesundheitsminister.

Laut einer Emnid-Umfrage für die Bild am Sonntag trauen derzeit 80 Prozent der Deutschen Rösler aber nicht zu, die Liberalen aus dem Tief zu holen. 54 Prozent meinen sogar, dass die FDP 2013 nicht wieder in den Bundestag kommt.

Einen Bericht der Bild-Zeitung, statt Homburger könne Rainer Brüderle die Fraktion führen, wurde in der Partei als abwegig zurückgewiesen. Auch um den Wirtschaftsminister gibt es noch einen ungelösten Konflikt: Brüderle will nicht als Parteivize weichen wie vom Rösler-Lager gewünscht. "Ich bin für FDP pur – ohne Zusatzstoffe", sagte der Minister, der nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz den Landesvorsitz an Volker Wissing abgab und zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.