Nicht nur die Touristen flanierten an diesem warmen Frühlingstag auf der Ostseepromenade von Warnemünde. Auch einige Anzugträger vertraten sich die Füße. Denn im berühmten Hotel Neptun, dem DDR-Betonklotz direkt am Strand, bereitete die FDP-Führung einen wichtigen Parteitag vor. Von Freitag bis Sonntag wollen die Liberalen ihre Krise aufarbeiten.

Vor dem Konferenzsaal im ersten Stock huschte der designierte Parteichef Philipp Rösler im schwarzen Anzug und mit strahlend weißem Hemd an wartenden Journalisten vorbei. Vor ihm hatte der neue Fraktionschef Rainer Brüderle ein "Ich bin Optimist" in die Mikrophone geraunt, um dann später im Saal Parteikollegin Cornelia Pieper demonstrativ vor den Kameras zu herzen.

Und der abtretende Bundeschef Guido Westerwelle machte gute Miene zum bösen Spiel. Brav blieb er stehen und beantwortete den Journalisten ihre Fragen. Der Parteitag werde einen "Umbruch" bedeuten, sagte Westerwelle, der am Freitag nach seinem Rücktritt und nach zehn Jahren als Parteivorsitzender seine Abschiedsrede halten wird. Dieser Umbruch werde aber ein "Aufbruch für die Liberalen" sein, zeigte er sich versöhnlich. Er gehe davon aus, dass es einen "diskussionsfreudigen", aber "konstruktiven Parteitag" geben werde.

Und was hält er von der Forderung, dass auf dem Parteitag über seine Zukunft als Außenminister abgestimmt werden soll? Als diese Frage im Raum steht, ist Westerwelle schon um die Ecke verschwunden. Seine Kabinettskollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußerte sich schon deutlicher: "Ich halte von solchen Spielchen gar nichts", sagte sie. Selbst der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn – nicht gerade als Westerwelle-Freund bekannt – sprach von einem "wenig durchdachten" und "unklugen" Vorstoß.

Gemeint ist Martin Lindner. Der Berliner FDP-Abgeordnete hat es zum Ärger der Spitzen-Liberalen geschafft, eine neue Debatte über Westerwelles Zukunft zu entfachen. Doch nicht nur über den Außenminister, nein, über das gesamte Führungspersonal der FDP sollten die Delegierten am Wochenende abstimmen können, hatte Lindner erst am Donnerstag in der Berliner Morgenpost gefordert. Für diese Unruhestifterei wollen ihm nun zwei Landesverbände an den Kragen – sie haben beantragt, ihm seinen Posten als Bundestagsfraktions-Vize, den er erst seit Dienstag innehat, wieder zu entziehen.

Dabei war die Diskussion über Westerwelles Position in der FDP nie wirklich beendet. Lange schon ist der scheidende FDP-Chef umstritten, viele glauben, ein Neuanfang der angeschlagenen Partei sei nur möglich, wenn er auch als Außenminister abtritt. Niemand kann so richtig einschätzen, was passieren wird, wenn er am Freitag seine Abschiedsrede hält und es danach zur freien Aussprache unter den Mitgliedern kommt. Generalsekretär Christian Lindner hatte zuletzt erst gar nicht zu verbergen versucht, dass er eine "kontroverse Aussprache" erwartet. Gleichzeitig betonte er, dass Westerwelle sehr wohl nach dem Parteitag noch Außenminister sein werde.

Am Abend präsentierte der designierte Parteichef Philipp Rösler dann der Öffentlichkeit sein lange erwartetes Führungstableau – also das Spitzenpersonal, das er sich für den Fall seiner Wahl am Freitag künftig an seiner Seite wünscht. Es ist am Ende wenig überraschend: Die vom ehemaligen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle abgelöste Fraktionschefin Birgit Homburger soll erste stellvertretende Parteivorsitzende werden. Das hatte Rösler ihr als Gegenleistung für ihren Rückzug versprochen.