Der designierte FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat den Politikstil seines Vorgängers Guido Westerwelle indirekt kritisiert. "Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück, dass man alte, bekannte Forderungen ständig wiederholt, möglichst noch etwas lauter als bisher, sondern durch Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache", sagte Rösler der ZEIT. Westerwelles Amtszeit war geprägt von wiederholten Forderungen nach Steuersenkungen.

Auch im Umgang mit der Bundeskanzlerin will Rösler als Vizekanzler einen anderen Stil pflegen als sein Vorgänger. "Das ist eine Selbstverständlichkeit, weil Menschen nun mal unterschiedlich sind", sagte Rösler. Er sei "zuversichtlich, weil ich glaube, dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind".

Einen Tag nach Ende des zähen Machtkampfs in ihrer Führungsspitze atmete Röslers Partei durch. Die personelle Neuaufstellung seiner Partei sei ein wichtiger Schritt aus der Krise, sagte Rösler in der ARD. Vom Rostocker Bundesparteitag, der am Donnerstag beginnt, müsse nun ein Aufbruchssignal ausgehen. Dafür seien jetzt die Voraussetzungen geschaffen. Schließlich sei es Ziel des Postentauschs gewesen, "alle Personaldiskussionen abzuschließen", so Rösler. Nun könne die Partei die angestrebte "inhaltliche Erneuerung angehen".

Tatsächlich konnte Rösler mit dem Stühlerücken in der Führungsetage eine quälende Personaldebatte auf dem Parteitag verhindern, die ihn schon vor Amtsantritt zu beschädigen drohte. Jetzt stehen die wesentlichen Pfeiler des lange angekündigten Personaltableaus: Am Montag verzichtete die umstrittene Fraktionschefin Birgit Homburger auf ihren Posten, zum Nachfolger wurde der bisherige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle gewählt. Diesen wiederum wird Rösler ablösen, der sein Amt als Gesundheitsminister an seinen Staatssekretär und Vertrauten Daniel Bahr abgibt. Bundespräsident Christian Wulff wird die Entlassungs- und Ernennungsurkunden bereits an diesem Donnerstag überreichen.

Der designierte Parteichef, der in Rostock gewählt werden soll, will künftig eng mit Brüderle zusammenarbeiten. "Das wichtigste Amt in einer Regierungskoalition neben dem Parteivorsitzenden ist das Amt des Fraktionsvorsitzenden", sagte Rösler. "Und hier können wir die Ruhe und Gelassenheit reinbringen. Aber auch die Entschlussfreude, die Durchsetzungsfähigkeit, die Rainer Brüderle innewohnt." Dieser habe sich mit seinem Wechsel an die Fraktionsspitze "ganz in den Dienst der Partei gestellt", ergänzte der 38-Jährige.

Der Umstand, dass Brüderle dem neuen Führungsteam um Rösler zuvor beharrlich vorwarf, die Wirtschaftskompetenz als Markenkern der FDP zugunsten eines "Säusel-Liberalismus" aufzugeben, schürte unter Beobachtern indes Skepsis. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wies Befürchtungen zurück, Brüderle könne sich als Gegenpol zur neuen Parteispitze profilieren. "Die FDP wird nach dem Parteitag an einem Strang ziehen. Niemand wird sich mehr auf Kosten anderer profilieren können", sagte die Ministerin. Nur weil Brüderle ein klares ordnungspolitisches Profil in die Waagschale werfe, sei er kein Gegenpol.

In der FDP-Fraktion herrschte nach den seit Sonntag andauernden nervenzehrenden Beratungen Zuversicht. "Dieser Aufschlag ist ein guter Start", sagte der Verteidigungsexperte Rainer Stinner. Sein Kollege Jan Mücke freute sich: "Wir erleben heute den Anfang vom Ende der Personaldiskussion bei der FDP."

Ihre bisherige Chefin Homburger bekam für ihre Rückzugsrede in der Fraktion nach Teilnehmerangaben minutenlangen Applaus. Sie begründete ihren Rücktritt mit der Verantwortung für die Partei. Sie wolle dazu beitragen, dass Rösler als Parteichef einen "hervorragenden Start" bekomme. Als Kompensation soll Homburger nun als Erste Stellvertreterin Röslers in den engsten Machtzirkel der Partei aufrücken. Offen ist jedoch, ob sie dafür in Rostock die nötigen Stimmen erhält