Philip Rösler schweigt, mal wieder. Das ist gewissermaßen sein neues Markenzeichen: Seit feststeht, dass Rösler FDP-Chef werden will , hat er sich öffentlich rar gemacht. Interviews gibt er kaum mehr, Kameras umkurvt er, Sitzungssäle betritt er am liebsten durch die Hintertür. Seine Freunde sagen: Allein das unterscheide ihn wohltuend vom bisherigen Amtsinhaber Guido Westerwelle. Dem fiel es immer schon schwer, mal einen Tag öffentlich nicht stattzufinden.

An diesem Montag allerdings hätten sich auch manche Rösler-Anhänger von ihm ein paar "klare Ansagen gewünscht und erwartet", wie es einer ausdrückt. An diesem Tag kamen in Berlin Präsidium und Vorstand der FDP zusammen. Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Rösler diesen Anlass nutzen würde, um das Team zu präsentieren, mit dem er künftig die FDP führen möchte.

Aber, Pustekuchen. Öffentlich sagte Rösler mal wieder gar nichts. Und intern nicht viel mehr. Außer, dass er sich viele Frauen im neuen Präsidium wünsche.

Also trat am Montagnachmittag Christian Lindner vor die Presse. Er wird, so viel steht schon länger fest, auch unter Rösler Generalsekretär bleiben. "Zu gegebener Zeit" werde Rösler sich äußern, sagt Lindner. Spätestens am Vorabend des Parteitags, der in zwei Wochen in Rostock stattfindet, werde Rösler sagen, wen er am liebsten im neuen Präsidium dabei hätte.

Noch gibt es einfach zu viele Interessenten für zu wenig Posten. Begehrt sind insbesondere die drei Stellvertreter-Plätze, von denen mindestens zwei frei werden. Cornelia Pieper und Andreas Pinkwart treten nach den Wahlklatschen in ihren Bundesländern Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen nicht mehr an. Ärger macht der dritte, noch amtierende Stellvertreter: Rainer Brüderle signalisierte an diesem Montag, dass er nicht bereit ist, auf seinen Vize-Posten zu verzichten. Sein rheinland-pfälzischer Landesverband habe ihn gebeten, erneut zu kandidieren, teilte der Wirtschaftsminister mit.

Rösler dürfte das ärgern. Er hatte schon im Vormonat vergeblich gewünscht, dass Brüderle auf seinen Platz im Kabinett verzichtet er selbst wäre gern Wirtschaftsminister geworden. Sein Vertrauter und Staatssekretär Daniel Bahr wäre als Gesundheitsminister gefolgt. Aber schon damals zeigte sich, dass Brüderle in der Partei gut vernetzt ist. Auf der entscheidenden Fraktionssitzung sprachen sich viele Liberale für ihn aus.

Bahr wird nun ebenfalls als Stellvertreter kandidieren. Genau wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger werden ihm gute Chancen eingeräumt. Bahr ist Vorsitzender des mitgliederstärksten Landesverbandes, Nordrhein-Westfalen; auch die Justizministerin weiß als bayerische Landeschefin und profilierte Vertreterin des Bürgerrechtsflügels genügend Anhänger hinter sich.

Um den letzten Vize-Platz konkurrieren, Stand heute, drei Liberale. Neben Brüderle haben der hessische Landeschef Jörg-Uwe Hahn und sein sächsischer Amtskollege Holger Zastrow ihr Interesse angedeutet. Es wird wohl zu Kampfkandidaturen kommen, was Lindner nicht schlimm findet. Schließlich seien die Liberalen die "Partei des Wettbewerbs".