Ein in Wien verhafteter 25-Jähriger Österreicher steht im Verdacht, einen Anschlag auf den Berliner Reichstag geplant zu haben. Die Wiener Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht der Kronenzeitung. Demnach soll der zum Islam konvertierte Thomas Al J. seit Monaten am Simulator dafür trainiert haben, einen voll besetzten Passagierjet in den Reichstag zu steuern.

Bisher habe sich dieser Verdacht jedoch noch nicht bestätigt, sagte die Chefin der Anklagebehörde, Marie-Louise Nittel, im ORF-Radiosender Ö1. Noch zurückhaltender äußerte sich die deutsche Bundesanwaltschaft. "Wir haben keine Anhaltspunkte auf die konkrete Vorbereitung eines Anschlags in Deutschland", sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel.

Das österreichische Innenministerium wollte die in dem Bericht geschilderten Anschlagspläne nicht kommentieren. Zeitgleich mit dem 25-Jährigen waren zwei Männer und eine Frau am Wiener Flughafen Schwechat gestoppt worden. Sie wollten nach Angaben der Behörden nach Pakistan reisen, um dort an einem Terrorausbildungscamp teilzunehmen. Der 25-jährige Hauptverdächtige soll das organisiert haben. Während die Reisegruppe inzwischen wieder freigelassen wurde, befindet sich der Hauptverdächtige weiter in Haft. Er wird der "finanziellen und persönlichen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland" verdächtigt.

Laut einem Sprecher der österreichischen Innenministeriums steht der Festgenommene außerdem in Verbindung mit zwei weiteren Verdächtigen, die ebenso wie er der terroristischen Vereinigung "Deutsche Taliban Mudschahedin" (DTM) zugerechnet würden. Es handelt sich um den 26-jährigen Berliner Deutsch-Türken Yusuf O., der am 31. Mai in Wien festgenommen wurde, sowie den 21-jährigen Österreicher Maqsood L., der am 16. Mai in Berlin gefasst wurde. Dem Tagesspiegel zufolge hat die Bundesanwaltschaft jedoch keine Hinweise darauf, dass die Verbindungen zwischen den zu unterschiedlichen Zeitpunkten festgenommenen Personen strafrechtlich relevant seien.

Der 26-jährige Yusuf O. wurde mit einem deutschen Haftbefehl gesucht. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der DTM ermittelt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern, da das Auslieferungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Laut einem Bericht der Berliner Morgenpost trat er in mehreren Propagandavideos als vermummter Gotteskrieger auf. Im September 2009 habe er konkret mit Anschlägen in deutschen Großstädten gedroht, sollte die Bundeswehr den Afghanistan-Einsatz nicht beenden. Zuvor – im Frühjahr 2009 – sei er nach Pakistan gereist, wo er sich im Grenzgebiet zu Afghanistan der Terrorgruppe DTM angeschlossen habe, heißt es in dem Bericht. Das wollten weder das Innenministerium in Wien noch die Bundesanwaltschaft kommentieren.

Auch der 21-jährige Maqsood L. steht dem Tagesspiegel zufolge unter dem Verdacht, die DTM zu unterstützen. Laut Bundesanwaltschaft solle er im Auftrag eines DTM-Mitglieds Mitte Mai 2011 von Budapest nach Berlin gereist sein und versucht haben, von seinem Auftraggeber ausgewählte Personen für eine Teilnahme am militanten Dschihad oder für eine finanzielle Unterstützung der DTM zu gewinnen. Dabei solle er rund 1000 Euro für die DTM beschafft haben. Seit seiner Festnahme sitze Maqsood L. in Untersuchungshaft.

Die "Deutschen Taliban Mudschahedin" wollen in Afghanistan eine religiös-fundamentalistische Gesellschaftsordnung errichten. Sie verüben laut Bundesanwaltschaft Anschläge auf afghanische und pakistanische Regierungstruppen und auch auf Mitglieder der internationalen Nato-Schutztruppe Isaf. Wegen der Beteiligung der Bundeswehr an dem Militäreinsatz der Nato ist auch Deutschland ins Visier der Gruppe geraten.