Die Opposition hat die Atomwende im Bundestag als historischen Einschnitt und zugleich als Katastrophe für Union und FDP gefeiert. "Der Tag bedeutet nichts anderes als ihr energiepolitisches Waterloo, denn ihr Ausstieg ist unser Ausstieg", sagte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel vor der Abstimmung zur Energiewende. "30 Jahre Häme, 30 Jahre Beleidigung, die wir von ihnen ertragen mussten. Das ist ein großer Tag für uns."

Kanzlerin Angela Merkel fahre nicht nur in der Energiepolitik einen Schlingerkurs, der Menschen und Wirtschaft verunsichere. "Hören sie einfach auf, das wäre der beste Neustart für unsere Republik, den wir uns vorstellen können", rief Gabriel der Kanzlerin zu. Die Grünen nannten den Atom-Ausstieg bis 2022 einen Erfolg der Anti-AKW-Bewegung: "Dieser Schritt gehört diesen Menschen", sagte Fraktionschefin Renate Künast.

Trotz der scharfen Kritik wollen SPD und Grüne die schwarz-gelben Pläne für den Atomausstieg mittragen, nur die Linksfraktion hat ein Nein angekündigt. Die anderen Gesetze zur Energiewende kritisiert die Opposition dagegen einmütig. Der Bundestag hat über insgesamt acht Gesetze abzustimmen. Aus den Beschlussentwürfen geht hervor, dass acht Atomkraftwerke abgeschaltet bleiben, die neun weiteren nach einem festgelegten Zeitplan bis 2022 vom Netz gehen. 

Umweltminister Norbert Röttgen sprach angesichts der Energiewende von einer Revolution. "Das ist ein sehr guter Tag für Deutschland", sagte der CDU-Politiker. Nach mindestens 30 Jahren kontroverser, teils unversöhnlicher Debatte werde das Parlament einen energiepolitischen Konsens beschließen. Kein Industrieland sei beim Ausbau des Ökostroms so ehrgeizig. Im Ausland werde gesagt: "Wenn es ein Land schaffen kann, dann sind es die Deutschen", ergänzte der Minister.

Während für den Atomausstieg im Bundestag eine breite Mehrheit zu erwarten ist, wollen SPD und Grüne die Gesetze zur Energiewende mehrheitlich nicht mittragen. So halten sie etwa das Ziel von Union und FDP, den Ökostrom-Anteil von derzeit rund 19 Prozent bis 2020 auf 35 Prozent zu steigern, für zu gering. Sie fordern 40 Prozent Ökostrom bis 2020. Im Gesetzespaket enthalten ist auch eine Offensive für die Gebäudesanierung, um Energie einzusparen.

Als einzige Fraktion im Bundestag will die Linke den schwarz-gelben Gesetzen überhaupt nicht zustimmen. Die Energiewende werde nur halbherzig vollzogen, sagte Fraktionschef Gregor Gysi. Er forderte erneut, die großen Stromkonzerne zu zerschlagen und die Energieversorgung wieder in die Hände der Kommunen zu legen. Auch sollte es eine staatliche Strompreiskontrolle geben.

Zudem verlangte die Linke, den Ausstieg im Grundgesetz festzuschreiben. Dann wäre die Abkehr von der Kernenergie unumkehrbar, sagte Gysi. "So bleibt es ein Atomausstieg mit Rückfahrkarte."