Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin hat nach deutlicher Kritik deutscher Wissenschaftsorganisationen ihren Rückzug vom Forschungsausschuss des Europäischen Parlaments verkündet. Ein Sprecher der Politikerin sagte, sie werde in einen anderen Ausschuss wechseln.

Zuvor hatte die Allianz der großen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland Koch-Mehrin zum Verlassen des Forschungsausschusses aufgefordert. Eine Bagatellisierung von Plagiaten in wissenschaftlichen Arbeiten beschädige die Reputation der deutschen Forschung, hieß es zur Begründung. Die Liberale hatte für ihre Dissertation andere Quellen genutzt, ohne das anzugeben. Den Titel hat ihr die Universität Heidelberg mittlerweile aberkannt.

"Silvana Koch-Mehrin nimmt die Äußerungen der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen sehr ernst", sagte der Sprecher. Deshalb habe sie die Allianz der liberalen Europa-Parteien sowie die FDP-Führung darüber informiert, dass sie ihre Ausschussmitgliedschaft  ändern werde.

Nach dem Verlust ihres Doktortitels war die 40-Jährige Vollmitglied im Forschungs- und Industrieausschuss des EU-Parlaments geworden. Zuvor war sie dort nur stellvertretendes Mitglied gewesen. Koch-Mehrin hatte den Ausschuss-Sitz mit ihrem Parteikollegen Jorgo Chatzimarkakis getauscht, der ebenfalls mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert ist. Sie sagte, der Wechsel sei lang geplant gewesen.

Die Allianz der großen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland wollte das nicht hinnehmen: "Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten sind alles andere als ein Kavaliersdelikt", teilte sie mit. Es sei nicht akzeptabel, dass Koch-Mehrin in dem Ausschuss Deutschland vertritt.

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen ist ein Zusammenschluss der größten deutschen Forschungsorganisationen. Zur Allianz gehören die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat.