Koch-Mehrins Sprecher findet nicht, dass seine Chefin ihre Pläne wegen der Plagiatsvorwürfe hätte ändern müssen. Er ist verärgert: Die Mitgliedschaft Koch-Mehrins im Ausschuss werde "zum Problem gemacht", obwohl ihre Arbeit "einfach eine Fortsetzung ihrer bisherigen Tätigkeit" sei und das Ansehen des Ausschusses nicht beschädige.

Heiner Kamp, Bildungspolitiker der FDP-Bundestagsfraktion sieht das ganz anders: "Sie muss sich die Frage stellen, ob sie so der Verantwortung gegenüber ihrem Mandat, aber auch gegenüber der Wissenschaft gerecht wird."

In der angeschlagenen FDP stöhnt man über Koch-Mehrin. Ihr Agieren kratzt unnötig am Ruf der angeschlagenen Partei. "Peinlich" sei das, sagt ein FDP-Landeschef. Schon dass die liberale Politikerin an ihrem EU-Abgeordneten-Mandat festhält, stößt vielen sauer auf. Es geht um das Außenbild der Liberalen. Der Neuanfang unter Philipp Rösler sollte schließlich unbeschwert über die Bühne gehen. Manche warfen ihm bereits Führungsschwäche vor, weil er nichts gegen die 40-Jährige unternehme.

"Man kann ihr das Mandat nicht wegnehmen", heißt es aus Parteikreisen. Von Führungspositionen sei Koch-Mehrin ja zurückgetreten. Und nun müsse man erst einmal die schriftliche Begründung der Heidelberger Universität zu den Plagiatsvorwürfen abwarten. Der Anstand gebiete, dass sich die Parteiführung vorher offiziell nicht äußere, auch weil Koch-Mehrin vielleicht gegen die Aberkennung ihres Doktortitels vorgehen wolle. Hinter verschlossenen Türen würden aber natürlich eindringliche "Gespräche" mit ihr geführt.

Schließlich kümmert sich der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie laut der Internetseite des Europaparlaments auch um "die Forschungspolitik der Union, einschließlich Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse".

Der Blogger und Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch startete deswegen eine Online-Petition , in der Koch-Mehrin zum Rücktritt aus dem Ausschuss und als Abgeordnete des Europaparlaments aufgefordert wird. Es sei inakzeptabel, "dass jemand, der sich des akademischen Betrugs schuldig gemacht hat, in einem Ausschuss sitzt, der die europäische Forschungspolitik und ihre Finanzierung überwacht", schreibt Stefanowitsch als Begründung.