Die wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld wird freigelassen. Sie habe im Juni 18 Jahre ihrer Strafe abgesessen und werde in den kommenden Wochen aus der Haft entlassen, teilte das Oberlandesgericht Frankfurt mit. Die Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Hogefeld war nach einer Schießerei im Juni 1993 in Bad Kleinen festgenommen worden. Seit 2009 ist die heute 54-Jährige als Freigängerin im offenen Vollzug.

Der 4. Strafsenat des Oberlandesgerichts habe in seiner Entscheidung berücksichtigt, "dass sich die Verurteilte in deutlicher Form von der RAF losgesagt und ihrerseits die persönliche Verantwortung für die von der damaligen RAF begangenen Straftaten übernommen hat", heißt es in einer Mitteilung. Der Senat habe sich nach Anhörung des Generalbundesanwalts sowie einer persönlichen Anhörung der Verurteilten entschieden. Hogefeld hatte den Antrag gestellt, die Reststrafe zur Bewährung auszusetzen.

Noch im Mai 2010 hat Bundespräsident Horst Köhler (CDU) eine Begnadigung Hogefelds abgelehnt. Zu den Hintergründen seiner Entscheidung wollte sich der Bundespräsident damals nicht öffentlich äußern.

Hogefeld wird der dritten Generation der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) zugerechnet, deren Anschläge in den achtziger Jahren bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. Den damaligen Attentaten fielen unter anderem 1989 der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, 1986 der Siemens-Manager Karl-Heinz Beckurts und 1991 der Präsident der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, zum Opfer. In der Haft distanzierte sich Hogefeld zwar von der RAF, ihr Wissen über die Verbrechen der Terrororganisation gab sie aber nicht preis.