FDP-Chef Philipp Rösler hat auf den anhaltenden Streit in der Koalition zwischen Union und FDP reagiert. Nach den jüngsten Querelen um den Energiekompromiss und die Griechenland-Rettung forderte Rösler von der Union einen professionelleren Umgang mit seiner Partei. "Unser Arbeitsstil in dieser Koalition muss anständig und verlässlich sein", sagte der Wirtschaftsminister der Zeitung Welt am Sonntag.

Rösler bezog sich mit seiner Äußerung auf die Verbreitung einiger Vorfälle in gemeinsamen Koalitionssitzungen. Das Bündnis von Union und FDP war nur wenige Wochen nach Röslers Antritt an seinem Tiefpunkt angekommen, nachdem Medienberichten zufolge die Liberalen beim Energiekonsens als Verlierer und Rösler als schwächlicher Neuling dargestellt worden waren. FDP-Mitglieder vermuteten den Berichten zufolge hinter diesen Anschuldigungen die CDU, weil vor allem Finanzminister Schäuble Rösler wiederholt kritisiert hatte.

Nun sagte Rösler jedoch, Kanzlerin Angela Merkel habe diese Medienberichte am Mittwoch in der FDP-Fraktion ihrerseits kritisiert. Die Kanzlerin habe "diese Durchstecherei und obendrein noch Falschdarstellung mit deutlichen Worten kritisiert und gesagt, dass so etwas nicht vorkommen darf – womit sie völlig recht hat". Er habe Vertrauen, dass die Kanzlerin künftig für mehr Professionalität in ihren Reihen sorgen könne.

Auch Angaben von Teilnehmern zufolge bekannte sich Merkel vor der FDP-Fraktion in deutlichen Worten zum schwarz-gelben Bündnis. Sie habe immer für diese Koalition gearbeitet. Zwischen Union und FDP gebe es mehr Gemeinsamkeiten, als die Große Koalition je gehabt habe.

Weiter habe Merkel gesagt, von außen werde versucht, Misstrauen in das Bündnis zu tragen. "Gegen dieses Gift von außen müssen wir uns gemeinsam immunisieren, sonst kriegen die uns wirklich noch auseinander."

Die FDP versucht sich der Union gegenüber nach den Debatten über den Atomausstieg und die Hilfen für das von der Pleite bedrohte Griechenland als bester Koalitionspartner zu profilieren. Zwischen Union und FDP gebe es "nach wie vor deutlich mehr Übereinstimmungen als Unterschiede", sagte Rösler.

Der FDP-Chef setzt darauf, dass auch Merkel die amtierende Koalition bevorzuge: "Im Übrigen kann sie rechnen – und weiß deshalb, dass die Alternative Rot-Grün heißt. Ich glaube nicht, dass jemand in der Union das anstrebt." Er sehe zudem nicht, "wie die CDU gemeinsam mit Rot oder Grün konstruktive bürgerliche Politik machen will".