Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ergebnisse des Euro-Gipfels als "gut und bedeutend" bezeichnet. Die gemeinsame Währung sei "jede Anstrengung" wert, sagte Merkel auf ihrer letzten Pressekonferenz vor der Sommerpause. Auf dem Treffen am Donnerstag seien erste Schritte dazu gemacht worden, die Probleme an der Wurzel anzugreifen: nämlich an der Verschuldung und Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands.

Merkel nannte die vor dem Gipfel erhobenen Forderungen nach einem spektakulären Befreiungsschlag "politisch fahrlässig". "Eine wirkliche Umschuldung in einem Währungsraum ist nirgends erprobt", sagte Merkel. Die Aufgabe verantwortlicher Politik bestehe darin, einen "kontrollierten, beherrschten Prozess abgestimmter Schritte und Maßnahmen aufzubauen".

Merkel lehnte jede Form eines automatischen Finanzausgleichs in Europa ab: "Eine Transferunion, so wie ich sie verstehe, wäre ein automatischer Finanzausgleich. Und die darf es nach meiner Überzeugung nicht geben." Europa habe keine Kontrollinstanzen, um das zu überwachen. Die Beschlüsse des Euro-Gipfels seien für sie kein Einstieg in eine solche Transferunion.

Das finanzielle Risiko für deutsche Steuerzahler bezifferte Merkel nicht: "Wir versuchen alles, damit durch Garantien des Europäischen Rettungsfonds die Kosten möglichst gering sind – die Bilanz wird man erst ganz zum Schluss machen."

Die deutsche Konjunktur sieht Merkel optimistisch: Das Wirtschaftswachstum sei augenblicklich so hoch wie lange nicht, sie erwarte daher für dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung wie 2010, sagte sie. Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,6 Prozent gewachsen – es war das höchste Plus seit der Wiedervereinigung. Merkel sagte, die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie lange nicht, die Erwerbstätigkeit steige im Gegenzug auf Rekordniveau, und auch die Nettolöhne seien so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. "Deutschland geht es so gut wie lange nicht", fasste die Kanzlerin zusammen.