Wer sich länger mit Prognosen zur Energiewirtschaft befasst, der entwickelt irgendwann ein Misstrauen gegenüber dem ganzen Genre. Allzu oft werden entscheidende Annahmen im Kleingedruckten versteckt oder überhaupt nicht erwähnt. Diese Rechnung soll nachvollziehbar sein. Sie nennt ihre Quellen und begründet ihre Annahmen. Wer Zweifel hat, ist herzlich eingeladen, seine eigene Gegenrechnung aufzustellen – und zu begründen. Mehr dazu am Ende dieses Textes.

Wie ist die Vorgehensweise unserer Berechnung? In einem ersten Schritt wird eine durchschnittliche Auslastung des fossilen Kraftwerksparks im Jahr 2020 festgelegt. Diese Festlegung ist setzt einiges voraus, und sie ist unter allen getroffenen Annahmen die folgenreichste. Darum wird sie weiter unten ausführlich begründet.

In einem zweiten Schritt wird festgelegt, wie sich die durchschnittliche Zahl der Volllaststunden auf zwei Kraftwerksgruppen verteilt: die neuen, effizienten Kohlekraftwerke der Generation Moorburg und die älteren Bestandskraftwerke. Je mehr die neuen Kraftwerke zur gesamten Stromproduktion beitragen, desto weniger müssen die alten, weniger effizienten Kraftwerke laufen, und desto weniger Kohle wird insgesamt verbrannt. Allerdings ist, wie sich beim Rechnen zeigt, der Effekt der Annahmen zu dieser Arbeitsteilung nicht sehr groß.

In einem dritten Schritt wird festgelegt, wie sich der Kraftwerkspark zusammensetzt, der gegen Ende dieses Jahrzehnts als Ersatz für abgeschaltete AKWs noch hinzukommt, und wie viel diese Kraftwerke laufen müssen. Danach lassen sich für die drei genannten Gruppen von Kraftwerken die Emissionen getrennt ermitteln und zu den voraussichtlichen Gesamtemissionen des Jahres 2020 addieren.

Eine Festlegung soll schon vorweg getroffen werden: Dies wird, in einem vertretbaren Rahmen, eine optimistische Betrachtung. In vielen Punkten könnte es schlimmer kommen. 

Wie viel werden die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke im Jahr 2020 laufen? Die Antwort auf diese Frage hängt ab von mehreren Unbekannten, insbesondere vom Stromverbrauch und von der Entwicklung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen. Allerdings gibt es eine Beobachtung, die zumindest der Größenordnung nach eine vernünftige Schätzung erlaubt. Wenn man von den Krisenjahren 2008 und 2009 absieht, in denen der Einruch der Weltwirtschaft alle anderen Effekte überlagert, dann steigen die  Kohlendioxidemissionen aus der deutschen Stromproduktion seit den späten 1990er Jahren wieder langsam an. Das schnelle Wachstum der erneuerbaren Energien kann also die Folgen des stetig steigenden Stromverbrauchs bislang nicht ausgleichen.

Treffen wir an dieser Stelle eine erste optimistische Annahme: Dieser Trend wird gebrochen. Wie immer sich der Stromverbrauch insgesamt entwickelt, bis zum Jahr 2020 sollen die Erneuerbaren im Stande sein, die Auslastung des fossilen Kraftwerksparks nicht nur konstant zu halten, sondern sogar zurückzudrängen.

Wie sehr werden sie das tun? Zur Orientierung hilft hier eine in ihrem Optimismus in mehrerer Hinsicht nicht nachvollziehbare Betrachtung, die sogenannte Leitstudie des Bundesumweltministeriums. In dieser Studie wird ein drastisch sinkender Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 unterstellt und darüber hinaus eine Entwicklung der Erneuerbaren, die erheblich über das hinausgeht, was die Bundesregierung im Zuge der Energiewende anstrebt. Unter diesen Annahmen geht in dieser Modellrechnung die Auslastung des fossilen Kraftwerksparks auf 5.000 Volllaststunden jährlich zurück ( Leitstudie, Seite 7 ). Ein Blick auf die Grafik zum Stromverbrauch in dieser Untersuchung ( Leitstudie, Seite 16 ) lehrt, dass eine Fortsetzung der Entwicklung vor Einbruch der Krise im Jahr 2020 verglichen mit heute zu einem um etwa ein Fünftel gestiegenen Stromverbrauch führen würde.