In ihrer abschließenden Bewertung der Kundus-Affäre hat die Koalition den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entlastet. Für die Informationspannen nach dem Bombardement zweier von Taliban entführter Tanklaster mit zahlreichen Toten machten Union und FDP ausschließlich den damaligen Staatssekretär Peter Wichert und den früheren Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan verantwortlich, meldet die Süddeutsche Zeitung.

Die Opposition nannte die Bewertung der Koalition "peinlich". Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der Süddeutschen Zeitung, für so einen "oberflächlichen Freispruch" habe man keinen Untersuchungsausschuss gebraucht. Die "Schuldzuweisung" an Wichert und Schneiderhan sei absehbar gewesen, weil vor allem die Union Guttenberg habe "reinwaschen" wollen.

Guttenberg hatte Schneiderhan und Wichert im Zuge der Affäre entlassen. Der ehemalige Generalinspekteur hatte daraufhin in der ZEIT Guttenbergs Äußerungen, wonach man ihm wichtige Akten vorenthalten habe und Berichte unterschlagen worden seien, als "ehrenrührig" verurteilt. 

Das Urteil des Untersuchungsberichts über den Bundeswehr-Oberst Georg Klein, der das Bombardement befohlen hatte, fällt ebenfalls sehr mild aus. Ihm werden lediglich Verfahrensfehler angelastet. Er habe aber "nach bestem Wissen und Gewissen zum Schutze seiner Soldaten gehandelt", weshalb seine Entscheidung "nachvollziehbar" sei, heißt es in der Bewertung des Ausschusses. Diese erfolgte nach eineinhalbjähriger parlamentarischer Untersuchung des Luftangriffs und der anschließenden politischen Aufarbeitung.

Bei dem Bombardement waren am 4. September 2009 nach den Erkenntnissen der Bundeswehr 91 Menschen getötet und 11 verletzt worden. Die Nato geht in ihrem Untersuchungsbericht von mindestens 142 Toten oder Verletzten aus. Anfang 2010 konstituierte sich der Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss. Neben Guttenberg, Schneiderhan und Wichert sagten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier vor dem Gremium aus.