Dass es oft die Kommunalpolitiker der etablierten Parteien sind, die die NPD stark machen, ließ sich zuletzt in Rathmannsdorf in der Sächsischen Schweiz beobachten. Zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung im Februar kamen mehr Rathmannsdorfer als sonst, sie wollten Kritik am Bürgermeister loswerden. Es hätte genügend Sitzplätze gegeben, hätte man denn erlaubt, Stühle aus dem Nachbarraum zu holen. Doch der Bürgermeister Reiner Hähnel entschied anders, mit der Zustimmung des Gemeinderats: Das überzählige Publikum soll stehen oder gehen.

Es war also ein leichtes für Gemeinderat Steffen Konkol, danach festzustellen, dass die Rathmannsdorfer Politiker offensichtlich gerne unter sich blieben. Herr Konkol ist von der NPD.

Die 1000-Einwohner-Gemeinde Rathmannsdorf macht ziemlich viel falsch, was man im Umgang mit der NPD falsch machen kann. Die den Grünen nahe stehende Heinrich-Böll-Stiftung sieht Rathmannsdorf als ein mustergültiges Beispiel dafür, wie Kommunalpolitiker die NPD geradezu einladen, sich zu profilieren. Immer wieder liefere die Gemeinde der NPD "Steilvorlagen", heißt es in der gerade veröffentlichten Studie Nazis in den Parlamenten.

Erst kürzlich konnte die NPD im Dorf wieder eine Vorlage verwandeln. Sie heftete sich an eine Unterschriftenaktion zweier Rathmannsdorfer, deren Ziel es ist, den Bürgermeister aus dem Amt zu drängen. Fast jeder dritte volljährige Rathmannsdorfer unterschrieb die Liste. Die NPD-Beteiligung hinderte sie nicht daran.

Bei der Rathmannsdorfer Gemeinderatswahl erhielt die NPD 2009 elf Prozent der Stimmen. Die NPD ist in Rathmannsdorf damit weniger stark als in einigen Nachbargemeinden. Noch zumindest: Laut Böll-Stiftung könnte sich das aber bald ändern. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sich der NPD-Mann Konkol als einer der aktivsten Politiker vor Ort inszenieren kann. Gemeinderatsprotokolle zeigten, dass er im Gemeinderat die meisten Anfragen stelle. Dabei geht es nur selten um die nationalistische Ideologie, sondern oft auch um ganz praktische Angelegenheiten, wie um eine defekte Beleuchtungsanlage im Ort oder um den Winterdienst.

Und so scheinen auch die ersten beiden Forderungen der Unterschriftenliste gegen den Bürgermeister harmlos – und entsprechen der Wahrnehmung vieler Rathmannsdorfer: Das Stadtoberhaupt wird aufgefordert, mit seinen Bürgern über einen Zusammenschluss mit Bad Schandau zu diskutieren, außerdem über die "Wiedererlangung des Titels "Anerkannter Erholungsort Rathmannsdorf'". In den anderen Forderungen wird der Bürgermeister allerdings direkt und überaus persönlich attackiert. Er solle seine "ständigen Lügen" erklären und sein Amt ruhen lassen.

Konkol, von Beruf Bergsteiger, ist laut dem NPD-Ortsverband viel unterwegs und deshalb für ein Gespräch nicht zu erreichen. Frank Henke und Bernhard Pietschmann wollen gerne sprechen, sie hatten vor einem halben Jahr die Idee zu der Unterschriftenliste. Henke hat eine Dachdeckerfirma am Ortsrand, als ehemaliger parteiloser Gemeinderat kennt ihn fast jeder hier. Kommt das Gespräch auf die NPD, wird der Mann mit den hochgekrempelten Hemdsärmeln lauter. "Ich distanziere mich von deren Positionen", sagt er deutlich. Allerdings sei Konkol im Gemeinderat nun mal der einzige, der Opposition übe, so Henke, und deshalb brauche er seine Hilfe. Mindestens 180 Rathmannsdorfer sehen es laut Unterschriftenliste ähnlich, also weit mehr, als die NPD hier Wähler hat.