Breiviks geistige Heimat ist eine andere: Jahrelang war er Jungfunktionär der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP) in Norwegen, die wiederum zu den Vorbildern der rechtspopulistischen "Pro"-Bewegung in Deutschland gehört.

Der Rechtspopulismus unterscheidet sich in einigen Punkten erheblich vom Rechtsextremismus, von Neonazis und den autonomen Nationalisten. So distanzieren sich Rechtspopulisten vom historischen Nationalsozialismus, und in ihrem Hass auf den Islam verehren sie alles, von dem sie glauben, es gebiete ihm Einhalt – beispielsweise Israel und die USA. Für Neonazis wäre das undenkbar.
Doch sind die Übergänge vom Rechtspopulismus zum Rechtsextremismus bisweilen fließend. So gelten die Rechtspopulisten von Pro Köln laut Verfassungsschutz offiziell als Rechtsextremisten, weil sie die Demokratie für ihre Zwecke abschaffen wollen. Der Berliner Ableger Pro Berlin wird vom Verfassungsschutz dagegen noch nicht als rechtsextrem eingestuft.

Viele Akteure der rechtspopulistischen Bewegung haben zudem einen rechtsextremen Hintergrund, etwa Manfred Rouhs, Vorsitzender von ProDeutschland oder der Dortmunder Kreisvorsitzende von Pro NRW, Max Branghofer, der bis vor ein paar Monaten noch Landesvorsitzender der rechtsextremen DVU war.

Die Islamfeindlichkeit ist die Klammer, die alle Strömungen mehr und mehr miteinander verbindet und auch christlich-fundamentalistische Sektierer, Verschwörungstheoretiker und die rechtsextreme NPD mit einschließt. Auch der Attentäter von Norwegen war in diesem Umfeld unterwegs, bevor er sich radikalisierte und in den Terrorismus abdriftete. Bisher ist Breivik ein Einzelfall. Es liegen keine Erkenntnisse über internationale oder nationale Rechtsterroristen vor, die in Deutschland operieren.

Die eigentliche Gefahr ist eine andere: die Verharmlosung der rechtspopulistischen Ideologie und der wachsenden Islamfeindlichkeit. Leider geschieht in Europa seit geraumer Zeit genau dies. Während der Debatte um Thilo Sarrazins Buch konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese islamophobe wie gleichsam rassistische Ideologie dabei ist, Mainstream zu werden. Gleiches gilt für den Umgang mit rechtspopulistischen Parteien in Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, Finnland – um nur einige zu nennen.

Doch auch das Gegenteil der Verharmlosung ist falsch: Wenn Sahra Wagenknecht von der Linkspartei als Reaktion auf die Attentate von Norwegen ein neues NPD-Verbotsverfahren fordert, ignoriert sie, dass die staatliche und zivilgesellschaftliche Kontrolle dieser Partei nur möglich ist, weil sie weitgehend öffentlich agieren muss. Ein Verbot würde zu einer weiteren Radikalisierung der Szene in Deutschland führen.

Der Rechtsstaat in Deutschland kann mit Extremisten umgehen – auch mit denjenigen, die gewaltbereit und kriminell sind, wie etwa dem ehemaligen NPD-Kreistagsabgeordnete Sven Krüger aus dem mecklenburgischen Jamel, auf dessen Grundstück die Polizei zuletzt eine Maschinenpistole mit 200 Patronen sichergestellt hat und der nun vor Gericht steht. Oder dem Jungfunktionär der NPD-Jugendorganisation aus Weil am Rhein, bei dem vor zwei Jahren neben einem Sturmgewehr chemische Substanzen gefunden wurden, die geeignet gewesen wären, eine Bombe zu bauen. Auch im Fall der beiden Aachener Neonazis aus dem Umfeld der Autonomen Nationalisten hat der Rechtsstaat funktioniert, als sie gerichtlich verurteilt wurden, weil sie "Sprengkörper aus pyrotechnischen Gegenständen und Glasscherben gebaut haben", die im vergangenen Jahr möglicherweise bei einem Neonazi-Aufmarsch gegen Polizisten und Gegendemonstranten in Berlin eingesetzt werden sollten.