Ex-Finanzminister Peer Steinbrück hat das Vorgehen der Bundesregierung in der Griechenlandkrise kritisiert und die bisherige Strategie der Euro-Zone für gescheitert erklärt. Der Schuldendienst von Ländern mit Refinanzierungsproblemen könne nicht mit immer neuen Krediten bestritten werden. Steinbrück bekräftigte, dass aus Sicht seiner Partei ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland in Höhe von 40 bis 50 Prozent der Verbindlichkeiten unerlässlich sei.

Das "Risikoszenario eines weiteren Durchwurstelns" berge demgegenüber viel größere Gefahren. Im Zweifelsfall müsse man auch zu einem "Zwangsmechanismus übergehen", um eine Beteiligung privater Gläubiger zu erreichen. Das negative Urteil der Rating-Agenturen müsse man schlichtweg ignorieren. 

Mit Blick auf den Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone an diesem Donnerstag sagte Steinbrück: "Es ist wichtig, dass dieser Gipfel Beschlüsse fasst, die umfassend, kraftvoll sind." Die Infektionsgefahren für andere Länder seien größer denn je. Griechenland müsse zudem geholfen werden, seine ökonomischen Daten zu verbessern. "Wir brauchen so etwas wie eine Art Marshall-Plan für einige periphere Mitgliedsstaaten", sagte der frühere Finanzminister.

Gabriel bietet der Regierung Unterstützung an

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel warf der Regierung mangelnde Entschlossenheit vor. Europaweit seien nun Entscheidungen notwendig, die bei vielen Menschen zu Zorn und Verärgerung führten, weil sie finanzielle Beiträge für andere Staaten leisten müssten. Die SPD biete dafür ausdrücklich ihre Zusammenarbeit an. Die Sozialdemokraten seien bereit, "auch diese schwierigen Entscheidungen in der Öffentlichkeit zu vertreten".

Dieses Angebot habe er in einem gemeinsamen Schreiben mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier der Kanzlerin auch schriftlich unterbreitet, sagte Gabriel. Das Projekt der europäischen Einheit insgesamt werde in der Öffentlichkeit infrage gestellt, warnten die Politiker in dem Papier.