"Herr Trittin, werden Sie seit Ihrem letzten Besuch in Washington vor zwei Jahren heute mit anderen Augen wahrgenommen?" Jürgen Trittin lehnt sich vor, ein kurzes Lächeln huscht über sein Gesicht, dann schnarrt er in ungewohntem Understatement: "Ja, schon. Es ist etwas leichter geworden, wichtige Termine zu bekommen."

Jürgen Trittin , Fraktionsvorsitzender von Bündnis90/die Grünen , war am Mittwoch zu Besuch in der amerikanischen Hauptstadt und reiste am Donnerstag weiter zu den Vereinten Nationen. Er traf stellvertretende Minister, ein hochrangiges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats, Wirtschaftler, Parlamentarier beider Parteien und die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice.

Soviel Interesse ist ungewöhnlich für den Fraktionsvorsitzenden einer ausländischen Partei, für die bei der letzten Bundestagswahl 2009 gerade einmal 10,7 Prozent der Wähler stimmten. Die Ursache dafür ist auch nicht, dass im Weißen Haus Barack Obama Einzug erhalten hat und die Grünen für ihn keine Schmuddelkinder sind. Erneuerbare Energien, benzinsparende Autos, Multilateralismus in den internationalen Beziehungen, das sind durchaus Themen, für die sich auch die Obama-Regierung erwärmt.

Nein, Trittin kam aus einem schlichten Grund über die Pförtnerlogen der amerikanischen Macht hinaus: Es ist bis in die Regierungszirkel der Hauptstadt durchgedrungen, dass die Grünen nach der Bundestagswahl 2013 in good old Germany an die Regierung kommen könnten.

Und mehr noch: dass die Partei womöglich mit einem eigenen Kanzlerkandidat antritt und es nach den Umfragen keine absolut wilde Spinnerei mehr ist, dass dieser Kandidat vielleicht auch Kanzler werden könnte. Jürgen Trittin ist jedenfalls ein Name, den einige in Washington glauben, sich merken zu müssen.