Als Hans-Heinrich Langhann, CDU-Vorsitzender des Amtsverbandes Aukrug Ende Juli die Einladung zur Jahreshauptversammlung verschickte, konnte er noch nicht ahnen, welches innerparteiliche Erdbeben sich einen Tag vor der geplanten Sitzung zutragen sollte. Am Sonntag ist der schleswig-holsteinischen CDU der Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Christian von Boetticher abhanden gekommen, und so begrüßt Langhann die 41 Mitglieder, die an diesem Abend im Bürgerhaus Ehndorf erschienenen sind mit einer gewissen Hoffnungslosigkeit: "Ich weiß nicht, was man uns Mitgliedern und den Wählern noch alles zumuten will."

Etwa ein Drittel der Mitglieder verschiedener Ortsvereine ist gekommen, darunter gerade mal drei Frauen. Politik zwischen Sportpokalen und Trophäen der Freiwilligen Feuerwehr ist hier, knapp 40 Kilometer südwestlich von Kiel, noch Männersache. Neben dem Kreisvorsitzenden Johann Wadephul, seit 2009 im Bundestag und zuvor Kopf der Landtagsfraktion, zählen auch die Landtagsabgeordneten Marion Herdan und Hauke Göttsch zu den Gästen. Beide bewerben sich anlässlich der am 6. Mai 2012 anstehenden Landtagswahl um das Direktmandat in dieser ländlich geprägten CDU-Hochburg.

"Wer ist hier eigentlich der SPD-Kandidat?" fragt jemand lakonisch in die Runde. "Wahrscheinlich Ralf Stegner", lautet die Antwort, was prompt zu hämischen Reaktionen führt. Der forsche SPD-Landesvorsitzende ist die Reizfigur der CDU schlechthin. Man liebt es hier, sich an ihm abzuarbeiten – wäre da nicht diese Affäre in der eigenen Partei.

Wadephul wird schnell deutlich: "Ich habe eine 16-jährige Tochter, und was glauben Sie wohl, was bei uns zu Hause Thema war?" Vater Wadephul hält mit seinem Moralbild nicht hinterm Berg. Für ihn gilt klipp und klar: Die Unreife eines Teenagers in Anspruch zu nehmen, das könne man nicht machen. Da hätte sich Boetticher doch gefälligst beherrschen müssen. Allgemeines Kopfnicken signalisiert Zustimmung. Nur einer im Zuhörerkreis widerspricht. Die allgemeine gesellschaftliche Einstellung sei doch liberaler geworden, erst recht, "wenn inzwischen sogar der Papst das Zölibat in Frage stellt."

Welchen Schaden nimmt die Partei durch diese Affäre? Heftig wird diskutiert im Bürgerhaus Ehndorf. Einer meint, das bleibe im Wahlkampf ein Klotz am Bein, ein anderer ist sich sicher, in einem Vierteljahr rede keiner mehr darüber.