Einen überraschenden Vorstoß wagten die Grünen. Deren Bundestags-Fraktionschef Jürgen Trittin bot der Bundeskanzlerin in einem an sie persönlich gerichteten Brief an, "alle notwendigen Schritte zur Stabilisierung des Euro" mitzutragen. Er setzte sich für eine schnellere parlamentarische Umsetzung der Brüsseler Beschlüsse ein. Damit setzen sich die Grünen ab von der SPD, deren stellvertretender Fraktionschef Joachim Poß in einem Brief an Finanzminister Schäuble nur "konstruktive Beratungen" angeboten hatte. 

Unterdessen hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die schwarz-gelbe Regierung davor gewarnt, bei den Beschlüssen zur Euro-Krise zu viel Druck auf den Bundestag auszuüben und dabei die Rechte des Parlaments zu missachten. "Die Bundesregierung kann ohne Zustimmung des Bundestags nichts zusagen, was auch nur einen Cent kostet", sagte der CDU-Politiker. Das gelte für den Euro-Rettungsschirm wie für jede Ausgabe, die den Haushalt betreffe.

Lammert wandte sich gegen die Vorstellung der Regierung, dass Beschlüsse zur Reform des Euro-Rettungsschirms innerhalb weniger Tage gefasst werden könnten. "Das Thema des europäischen Rettungsschirms ist so wichtig, dass der Bundestag es nicht innerhalb weniger Tage mit der notwendigen Sorgfalt beraten und beschließen kann. Es wird sicher kaum möglich sein, das vom 20. auf den 23. September zu verabschieden", sagte Lammert. "Wie viel Beratungsbedarf wir haben, das entscheidet der Bundestag selbst."

CDU-Landespolitiker fordern neue Schwerpunkte für Bundesparteitag

Aus der CDU ist unterdessen die Forderung zu hören, auf dem Parteitag im Herbst Europa zum Hauptthema zu machen. NRW-Fraktionschef Karl-Josef Laumann sagte: "Wir können den Parteitag im November nicht nur der Bildung widmen. Sonst würden wir ihn an den Interessen der Mitglieder vorbei machen", sagte er. Gerade für CDU-Wähler sei die Stabilität der Währung sehr wichtig, weil sie mit der wirtschaftlichen Sicherheit untrennbar verbunden sei. "Wenn der Euro aufgrund falscher politischer Entscheidungen ins Wanken geraten würde, wäre das für die Union schlimmer als Hartz IV für die SPD", sagte Laumann. Ähnlich äußerte sich Baden-Württembergs Fraktionschef Peter Hauk.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte dagegen, das Thema Bildung bleibe Schwerpunkt. Es nütze nichts, sich stärker auf traditionelle Stammwähler zu konzentrieren, sagte die Vize-Vorsitzende der Partei aus dem Landesverband Baden-Württemberg. "Stammwähler und Wechselwähler sind keine Alternativen. Wir brauchen beide. Das hat die Landtagswahl in Baden-Württemberg gezeigt. Dort haben uns nämlich nicht die Stammwähler gefehlt, sondern neue Wähler, vor allem in den Städten."