Das Grandhotel Schloss Bensberg bei Köln bietet eigentlich vieles, wonach sich FDP-Politiker gerade sehnen dürften: Mit "Wellness auf höchstem Niveau" wirbt das Haus, schön auf den Hügeln über der Kölner Bucht gelegen. Doch die FDP-Bundestagsabgeordneten, die sich hier für drei Tage versammeln, werden für Pool, Sauna und Beauty-Salon kaum Zeit haben – sie gehen in Klausur.

Vor allem ringen sie in diesen Tagen mit einem besonders leidigen Thema: Guido Westerwelle . Der Außenminister steht wegen seiner unklaren Haltung zum Libyen-Einsatz der Nato in der Kritik. Erst nachdem Parteichef Philipp Rösler die Militärschläge öffentlich und ausdrücklich gelobt hatte, schwenkte auch Westerwelle auf diese Linie ein.

Eine Bloßstellung, die den einstigen FDP-Star schwer beschädigte. So schwer, dass in den vergangenen Tagen bereits über mögliche Nachfolger spekuliert wurde. Und eine Zeitung meldet gar, Guido Westerwelle wolle bei der Fraktionsklausur die Vertrauensfrage stellen .

So ist es kein Wunder, dass sich die Gespräche auf den Fluren des prunkvollen Hotels schon vor Beginn der Tagung fast ausschließlich um Westerwelle drehen. Öffentlich äußern will sich kaum ein Liberaler mehr zu dem Thema, und eine Vertrauensfrage gebe es sowieso und definitiv nicht, heißt es.

Westerwelle strahlt in die Runde

Stattdessen wird hinter vorgehaltener Hand kolportiert: Die Spitzenleute hätten miteinander telefoniert, spätnachts, und mittags hätte man sich nochmals in kleiner Runde getroffen. Seitdem sei alles geklärt, aber eigentlich auch schon vorher. Nichts will die FDP lieber, als die Debatte um ihren einstigen Superstar loswerden.

Kurz vor Beginn der Tagung stellt sich Philipp Rösler noch einmal vor die Mikrofone und verkündet : "Ich habe die Linie als Parteivorsitzender klar gemacht, und der Außenminister ist der Linie gefolgt." Damit sei die Debatte beendet. Dass Rösler damit seinen Außenminister auf dessen eigenem Feld überstimmt hat – geschenkt.

Jetzt soll es um die Maßnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone gehen, um "Brot-und Butter-Themen", wie Fraktionschef Rainer Brüderle das nennt. Und doch richten sich, als die Führungsriege ihre Plätze im Ballsaal einnimmt, alle Kameras nur auf Guido Westerwelle, versuchen, eine verräterische Regung einzufangen. Der Außenminister aber strahlt in die Runde, scheint seine Rolle fast zu genießen.