Am Ende bemühte Annegret Kramp-Karrenbauer ein Sprichwort. "Die schwersten Geburten bringen die schönsten Kinder", sagte die frisch gewählte Ministerpräsidentin des Saarlandes nach einem für sie äußerst turbulenten Vormittag . Im ersten Wahlgang war die 49-jährige CDU-Politikerin nämlich durchgefallen, erst im zweiten Anlauf klappte es. Damit hatte niemand gerechnet.

Annegret Kramp-Karrenbauer tritt die Nachfolge von Langzeit-Ministerpräsident Peter Müller an. Sie war seine Wunschkandidatin, galt schon lange als gesetzt für den Chefposten des ungewöhnlichen und einmaligen Jamaika-Bündnisses, das aus CDU, FDP und den Grünen besteht. Mit der Kandidatin schienen alle Koalitionäre im Reinen zu sein.

Doch dann kam der Mittwochmorgen. Überraschend enthielt sich ein Abgeordneter des Regierungslagers bei der Wahl, ein zweiter stimmte gar für SPD-Gegenkandidat Heiko Maas. Das führte zu entsetzten Gesichtern im Landtag, die Sitzung wurde unterbrochen. Peter Müller beschwor seine Truppe, jetzt nicht die Koalition platzen zu lassen. Im zweiten Wahlgang gab es dann nur noch eine Gegenstimme. Das reichte zu einer knappen Mehrheit für Kramp-Karrenbauer. Sie kam beim zweiten Wahlgang auf 26 Stimmen.

Die Abweichler, so viel ist klar, wollten die neue Regierungschefin mal so richtig vorführen. Wer die Abgeordneten sind, bleibt allerdings im Dunkeln. Die Wahl war geheim.

Was die Jamaika-Koalition zudem verunsichert: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Maas hatte erst kurz vor der Wahl öffentlich gemacht, dass er im Landtag gegen Kramp-Karrenbauer kandidieren werde. Zur Jamaika-Koalition gebe es "eine politische und personelle Alternative", hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Pauluhn seinen Chef angepriesen. Tatsächlich stimmten 25 Abgeordnete für Maas, fast genauso viele für Kramp-Karrenbauer.

"Wir sind ratlos", sagt ein Wegbegleiter der neuen Ministerpräsidentin über die Entwicklungen "das müssen wir erstmal sacken lassen und dann weiter überlegen." Ein führendes Mitglied des Jamaika-Büdnisses bekennt: "Ich bin fast vom Stuhl gefallen. Wäre der zweite Wahlgang auch in die Hose gegangen, ich hätte für nichts mehr garantiert."

Schließlich wird die schwarz-gelb-grüne Koalition kritisch beäugt, seitdem sie zustande kam. Vor allem der heutige Oppositionsführer Heiko Maas hat eine Rechnung mit dem Bündnis offen. Nach den Landtagswahlen 2009 wähnte sich der damalige SPD-Spitzenkandidat schon auf dem Chefsessel der Staatskanzlei, er wollte ein rot-rot-grünes Bündnis gründen. Für Rot-Grün alleine reichten die Sitze nicht. Am Ende kam es ganz anders: Grünen-Chef Hubert Ulrich führte seine Partei in eine Koalition mit CDU und FDP. Maas wurde davon völlig überrascht, er fühlte sich verraten.

War seine überraschende Gegenkandidatur bei der jetzigen Ministerpräsidentenwahl vielleicht mit den Jamaika-Abweichlern abgesprochen? Schließlich votierte einer von ihnen für Maas.