Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Integrationsministerin seines Kabinetts, Bilkay Öney, gegen Kritik verteidigt. Man dürfe ihre Worte "nicht auf die Goldwaage legen", sagte der Grünen-Politiker laut einem Bericht der Badischen Zeitung.

Öney hatte mit Aussagen über Einwanderer für Aufsehen gesorgt. "Türken gucken fünfmal mehr Fernsehen als die Deutschen", hatte sie der Welt am Sonntag gesagt. Viele Migranten litten ihrer Meinung nach an Selbstüberschätzung.

Sie bekam dafür in den vergangenen Tagen viel Kritik, auch vom Koalitionspartner der grün-roten Landesregierung. Grünen-Politiker Memet Kilic zeigte sich gegenüber der Welt schockiert über die "populistischen Aussagen" der SPD-Ministerin.

Kilic, der integrationspolitischer Sprecher seiner Partei ist, forderte Öney auf, die Behauptung über den starken TV-Konsum von Türken zurückzunehmen. "Die Aussagen von Frau Öney betreffen uns Grüne viel mehr als die SPD, denn wir stellen in Baden-Württemberg die Regierung."

Öney ist die zweite Integrationsministerin Deutschlands – nur Niedersachsen hat eine weitere Frau in einem solchen Ressort. Nach Baden-Württemberg kam die Diplom-Kauffrau aus Berlin, wo sie bis Juni im Abgeordnetenhaus saß. Zuvor hatte sie als Reporterin und Moderatorin für den türkischen Sender TRT gearbeitet.

Die Opposition in Baden-Württemberg warf der Ministerin wegen ihrer Äußerungen Stimmungsmache gegen Türken vor. Öneys Aussage lege nahe, dass Türken vor dem Fernseher säßen, während Deutsche arbeiteten, sagte der Landeschef der CDU-Sozialausschüsse, Christian Bäumler.

Dabei liege die Beschäftigungsquote der Türken im Südwesten bei über 90 Prozent. "Eine Integrationsministerin sollte Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenführen und nicht gegeneinander ausspielen", ergänzte er.