Das Bundesverbraucherschutzministerium will die umstrittene Anzeigenkampagne, die von der Drogeriemarktkette dm gesponsert wurde, beenden. "Wir nehmen den Hinweis der Wettbewerbszentrale ernst und werden die Einwände gründlich prüfen", teilte das Ministerium mit. Eine Veröffentlichung weiterer Anzeigen sei nicht geplant.

Nach Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz wurde die Kampagne für mehr Bewegung und gesunde Ernährung komplett von der Drogeriemarktkette finanziert. Danach stellte das Unternehmen dem Ministerium von Ressortchefin Ilse Aigner (CSU) zwölf Anzeigen in der Bild-Zeitung im Wert von rund 340.000 Euro zur Verfügung. Nach Angaben von dm-Chef Erich Harsch waren insgesamt 36 Anzeigenschaltungen geplant. Etwa zwei Drittel seien bereits gelaufen.

Nach Ansicht der Wettbewerbszentrale entsteht durch die Koppelung der Anzeigen der Eindruck, die Regierung empfehle dm-Produkte. Wie die Selbstkontrollinstitution der Wirtschaft mit Sitz in Bad Homburg bestätigte, hat sie die Firma aufgefordert, bis zum Donnerstag eine Unterlassungserklärung abzugeben und auf die kombinierte Anzeige zu verzichten.

Rechtsexperten stufen Sponsoring als rechtswidrig ein

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin bezeichnete die Aktion im Report Mainz als inakzeptabel. Damit werde das Neutralitätsgebot des Staates verletzt. Die SPD-Verbrauchersprecherin Elvira Drobinski-Weiß sagte, das Ministerium mache sich zum Handlanger für ein Unternehmen. Auch die Staatsrechtler Ulrich Battis und Hans Herbert von Arnim bezeichneten die Anzeigen als rechtswidrig.

Eine Sprecherin des Ministeriums hatte zunächst die Aktion verteidigt. Die Firma erhalte keine Gegenleistung. Grundsätzlich könnten Unternehmen diese Kampagne unterstützen. Nach ihrer Erkenntnis sei der genannte Wert der Kampagne niedriger als die genannte Summe.