Die Opposition sieht bei der Ausgestaltung der Euro-Rettung weiterhin Klärungsbedarf auf Seiten der Koalition. Grundsätzlich stimmten SPD und Grüne dem Kabinettsbeschluss der Bundesregierung zu, wonach der Euro-Rettungsschirm EFSF ausgeweitet wird. Doch vor allem bei Fragen der Parlamentsbeteiligung und der Einbindung des Finanzsektors verlangen sie von der Regierung mehr Details. Die Regierung hatte die Parlamentsbeteiligung in ihrem Gesetzentwurf ausgeklammert.

SPD-Chef Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte, dass die Koalition offen lässt, wie eine bessere Haushaltspolitik der EU-Schuldenstaaten oder eine Bankenregulierung durchgesetzt werden könnten. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) habe "ein Programm zur Vergemeinschaftung von Schulden in den Krisenstaaten der Euro-Zone vorgestellt". Es müsse aber klar werden, "dass die Zeche, die hier gezahlt werden muss, auch für das spekulative Verhalten von Banken auch durch den Finanzsektor mit bezahlt werden muss", sagte Gabriel.

Vertreter der SPD, der Grünen und der Linke forderten zudem eine starke Beteiligung des Bundestages an Entscheidungen des Rettungsfonds EFSF:

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kritisierte, dass die Frage der Parlamentsbeteiligung, "das Herzstück" des neuen Gesetzes, fehle. Ähnlich sagte es Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Die Regierung habe zugesagt, auf die Opposition zuzugehen und ein gemeinsames Verfahren zu verabreden, wie der Bundestag beteiligt sein könne. Die Frage, ob ein Land unter den Rettungsschirm genommen werde oder ob das Volumen des EFSF-Fonds ausgeweitet werde, bedürfen laut Trittin selbstverständlich der Zustimmung des Bundestags.

Auch die FDP hatte sich für einen Parlamentsvorbehalt für Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ausgespochen. FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke trat Bedenken entgegen, demnach die Bundestagsbeteiligung eine schnelle Krisenreaktion verhindere. Das Parlament und insbesondere der Haushaltsausschuss hätten in der Vergangenheit regelmäßig gezeigt, dass sie notfalls auch an Sonntagen kurzfristig zusammentreten könnten, sagte Fricke.

In etwa vier Wochen wollen sich Koalition und Opposition über die Parlamentsbeteiligung verständigen: Gemeinsam sei man übereingekommen, dies bis Ende September abzuschließen, sagte Trittin.

Anlass für Kritik war auch die Uneinigkeit in den Reihen der Regierung: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, FDP-Chef Philipp Rösler habe klar gemacht, dass er die Pläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine Finanztransaktionssteuer ablehne. SPD und Grüne sprachen sich hingegen für eine Steuer auf Finanzgeschäfte aus.

Die Grünen forderten zudem über die Euro-Rettungspläne der Regierung weit hinausgehende Schritte hin zu mehr Gemeinsamkeiten in der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Euro-Staaten. In der Beschlussvorlage für die Herbstklausur ihrer Bundestagsfraktion fordern die Grünen eine demokratisch legitimierte Europäische Wirtschaftsregierung – angesiedelt bei der EU-Kommission, kontrolliert vom Europaparlament und den Parlamenten der Einzelstaaten. Steuern sollten harmonisiert, soziale Mindeststandards gesetzt werden. Mit Euro-Bonds sollten die Euro-Staaten einen Teil ihrer Schulden über gemeinsame Anleihen finanzieren. Die Idee einer Wirtschaftsregierung unterstützt auch die Bundesregierung, meint damit aber keine eigene Institution, sondern eine abgestimmte Finanz- und Wirtschaftspolitik.