Annegret Kramp-Karrenbauer ist Ministerpräsidentin des Saarlandes. Die CDU-Politikerin wurde von den 51 Abgeordneten des Saarbrücker Landtags allerdings erst im zweiten Wahlgang zur Nachfolgerin von Peter Müller gewählt. Kramp-Karrenbauer führt die einzige Koalition aus CDU, Grünen und FDP in einem Landesparlament.

In der zweiten Runde erhielt die CDU-Politikerin 26 Stimmen; auf den überraschend als Gegenkandidaten angetretenen SPD-Fraktionsvorsitzenden Heiko Maas entfielen 25 Stimmen. Damit muss ein Mitglied der Jamaika-Koalition gegen Kramp-Karrenbauer gestimmt haben. CDU, FDP und Grüne haben im Landtag gemeinsam 27 Stimmen, die Opposition von SPD und Linken 24.

Im ersten Wahlgang hatte Kramp-Karrenbauer nur 25 Stimmen bekommen, ein Abgeordneter enthielt sich. Auf SPD-Konkurrent Maas entfielen ebenfalls 25 Stimmen. In den vergangenen Tagen hatte es geheißen, die CDU-Politikerin könne sich einer Mehrheit in ihrer ungewöhnlichen Koalition sicher sein.

Doch dann hatte der SPD-Abgeordnete Stefan Pauluhn seinen Fraktionsvorsitzenden Maas unmittelbar vor der Wahl als Gegenkandidaten zu Kramp-Karrenbauer vorgeschlagen. Dies geschehe im Bewusstsein, "dass es hier andere Mehrheiten gibt", sagte Pauluhn. Mit dem Vorschlag wolle die SPD "deutlich machen, dass es zur Jamaika-Koalition eine politische und personelle Alternative gibt und geben wird".

Die Sondersitzung des Landtags war nach dem Scheitern der CDU-Kandidatin für eine Stunde unterbrochen worden. Dann folgte der zweite Wahlgang. Nach der Landesverfassung hätte solange gewählt werden müssen, bis ein Ministerpräsident bestimmt ist. Wäre das innerhalb von drei Monaten nicht gelungen, hätte der Landtag aufgelöst und eine Neuwahl anberaumt werden müssen.

Die bisherige Sozialministerin löst Ministerpräsident Peter Müller ab. Müller regierte das Saarland in den vergangenen zwölf Jahren. Ende Mai hatte Kramp-Karrenbauer bereits den CDU-Landesvorsitz von ihm übernommen. Müller wird derweil als neuer Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gehandelt.

Kramp-Karrenbauer ist nun nach Christine Lieberknecht (CDU) in Thüringen und Hannelore Kraft (SPD) in Nordrhein-Westfalen die derzeit dritte weibliche Chefin einer Landesregierung.

Auch Lieberknecht und Kraft wurden nicht auf Anhieb gewählt: Die thüringische Ministerpräsidentin brauchte im November 2010 drei Wahlgänge. Zuvor hatte ihr jeweils eine Stimme zur absoluten Mehrheit gefehlt. Die nordrhein-westfälische Regierungschefin bekam im zweiten Wahlgang die nötigen Stimmen ihrer rot-grünen Minderheitskoalition unter Tolerierung der Linken zusammen.  

Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis war 2005 bei ihrer Wiederwahl hingegen spektakulär gescheitert. Sie fiel bei vier Wahlgängen durch und trat dann nicht mehr an. Ihr fehlte eine Stimme aus dem eigenen Lager zur Mehrheit.