Heiner Geißler wollte mit seinem Kompromissvorschlag den Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 endlich befrieden – davon ist jedoch bislang wenig zu spüren. Noch am Wochenende hat die Bahn neue Bauaufträge im Wert von mehr als 700 Millionen Euro vergeben. Die Gegner des Projekts riefen ihrerseits zu neuen Protesten auf.

Bereits am Montagabend haben Tausende Menschen in Stuttgart wieder gegen den Bahnhofsbau demonstriert. Die Polizei zählte bei der 85. Montagsdemo rund 3.000 Teilnehmer, die Organisatoren sprachen von rund 4.500 Menschen. 

Der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Hannes Rockenbauch, kündigte einen "heißen Herbst" an, wenn die Bahn mit ihren Aktionen weitermache. Sollte der Südflügel des unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofsgebäudes abgerissen oder weitere Bäume im Schlossgarten gefällt werden, werde es neue friedliche Protestaktionen geben, so Rockenbauch während der Montagsdemonstration.

Zu Geißlers Kompromissvorschlag, der eine Kombination aus Kopf- und Durchgangsbahnhof vorsieht, sagte Rockenbauch: "Mit diesem Vorschlag drückt Heiner Geißler aus, dass er den Glauben an Stuttgart 21 verloren hat". Der Kombi-Bahnhof bedeute ein deutliches Abwenden vom ursprünglich geplanten Tiefbahnhof.

Heiner Geißler hält an dem Kompromissvorschlag fest. "Vielleicht wäre die Kombilösung ein Frieden stiftender Weg. Es wäre einen Versuch wert, diesen verbalen Kriegszustand in Stuttgart endlich zu beenden", sagte er der Schwäbischen Zeitung.

Die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geäußerte Kritik, die Kombilösung sei ein alter, längst verworfener Vorschlag, wies Geißler zurück. Es sei ein "entscheidender Fehler" gewesen, dass ein ähnlicher Plan bereits vor 15 Jahren abgelehnt worden sei. "Wahrscheinlich wäre der Konflikt um Stuttgart 21 nie entstanden, wenn man das Kombimodell damals nicht eliminiert hätte", sagte Geißler.