Tierschützern dürfte der jüngste Tierschutzbericht des Bundeslandwirtschaftsministerium nicht gefallen. Lautet doch die wichtigste Erkenntnis, dass die Zahl der Tierversuche in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich zugenommen hat. Gab es 2005 noch etwa 2,4 Millionen Versuchstiere in deutschen Labors, waren es 2009 knapp 2,8 Millionen.

Als Grund für das Plus von mehr als 15 Prozent wird der Ausbau des Forschungsstandorts Deutschland genannt. Im Bericht heißt es dazu: "Ohne die vermehrte Erforschung und Verwendung von Alternativ- und Ersatzmethoden zum Tierversuch wäre die Anzahl der verwendeten Versuchstiere vermutlich deutlich stärker gestiegen." Ganz ohne Tierversuche gehe es nicht, sagte Agrarstaatssekretär Peter Bleser (CDU).

Tierschützer und die Opposition sprachen dagegen von politischem Versagen. Christine Esch von der Tierrechtsorganisation Peta bemängelte, Deutschland habe die Entwicklung zu "tierfreien Methoden" verschlafen. Die Förderprogramme für Alternativen zum Tierversuch müssten deshalb deutlich aufgestockt werden. Auch der SPD-Forschungspolitiker René Röspel sieht Nachholbedarf. Als High-Tech-Land müsse Deutschland bei der Suche nach Alternativmethoden eine Vorreiterrolle einnehmen.

Mehr Freiheit für Legehennen

Die Zahl der Legehennen, die im Käfig gehalten werden, hat laut Tierschutzbericht aber deutlich abgenommen. Weil seit 2010 nur noch geräumigere Käfige erlaubt sind, ist der Anteil der Käfighaltung in den größeren deutschen Betrieben binnen zwei Jahren von 62 auf 18 Prozent gesunken. Gleichzeitig stieg der Anteil der Bodenhaltung von 22 Prozent im Jahr 2008 auf 63 Prozent im Jahr 2010. Der Tierschutzbund fordert indes ein komplettes Verbot von Hühnerkäfigen.

Die Bilanz des Ministeriums zum Tierschutz fällt positiv aus: Nach seiner Einschätzung hat Deutschland "europaweit Maßstäbe gesetzt" in Sachen Tierschutz. So wurden nicht nur die konventionellen Legebatterien verboten, sondern beispielsweise auch Robbenprodukte wie Felle und Öle.

Die Opposition sieht das anders. Der Tierschutzbeauftragte der SPD-Fraktion, Heinz Paula, bezeichnete die beiden Jahre seit dem Regierungswechsel als verlorene Jahre für den Tierschutz. "Immer setzen sich in der schwarz-gelben Koalition letztendlich die tierschutzfeindlichen Positionen durch."