Der Wandel hin zu einer Einsatzarmee hat tiefe Spuren in der Truppe hinterlassen: nicht nur unter den Fallschirm- und die Gebirgsjägern, den Fernspähern und den Männern des Kommandos Spezialkräfte, die seit Jahren die Hauptlast des Einsatzes tragen, die meisten Verluste zu beklagen haben. In deren Einheiten kennt jeder Soldat einen Kameraden, der schwer an Körper oder Seele verwundet wurde. Die ganze Bundeswehr hat sich gewandelt, nicht nur in der Ausrüstung und Struktur – auch mental.

So begrüßten viele Soldaten in Afghanistan die Bombardierung zweier von Taliban entführten Tanklastern am Kundus-Fluss mit bis zu 142 Toten. Den Befehl dazu hatte ein deutscher Oberst gegeben, zwei amerikanische Jets warfen die Bomben ab. Endlich habe man mal ein Signal der Stärke gezeigt, sagt noch heute manch hoher, deutscher Offizier. Auch der "Staatsbürger in Uniform", das mit der Gründung der Bundeswehr vorgegebene Idealbild eines modernen Soldaten, ändert sich im Krieg.

Mancher trauert um die alte Bundeswehr

Die Bundeswehr vor dem 11. September 2001 hat mit der Truppe von heute, zehn Jahre später, nur noch wenig gemein. Natürlich gibt es noch hochrangige, ältere Offiziere, die nicht im Einsatz waren und gedanklich noch dem Kalten Krieg verhaftet sind. Selbstverständlich gibt es Soldaten, die der Zeit nachtrauern, als die Bundeswehr unterhalten wurde, um sie nicht einzusetzen sondern um andere abzuschrecken. Und auch der bürokratische Überbau hat die Veränderung zur Einsatzarmee noch nicht vollzogen. Doch in weiteren zehn Jahren werden auch diese Strukturen sich angepasst haben. Die Bundeswehr wird sich dann weniger von den Streitkräften der Nato-Partner und anderer Verbündeter unterscheiden.

Die zaghaften Debatten, ob nach Afghanistan weitere Einsätze für Bodentruppen folgen sollten, ob Kriegsschiffe zum Schutz vor Piraten zum Normalfall werden könnten, finden meist außerhalb der breiten Wahrnehmung statt. Als Verteidigungsminister Thomas de Maizière den "freien und ungehinderten Welthandel" als Teil deutscher Sicherheitsinteressen beschrieb , blieb die Empörung weitgehend aus. Gleichzeitig haben sich Bundesregierung und Parlament bislang gescheut , Kriterien festzulegen, wann sie die Bundeswehr in einen Auslandseinsatz schicken und wann nicht. Noch immer scheint die Politik eine ernste, sicherheitspolitische Diskussion mit dem Wähler zu scheuen.

Die Vorbehalte beruhen auf Gegenseitigkeit. Denn auch die Bürger sind nicht wirklich an der Bundeswehr und ihren Aufgaben interessiert. Zwar lehnt eine Mehrheit der Deutschen den Einsatz in Afghanistan ab, breite Proteste dagegen hat es aber ebenso wenig gegeben wie Solidaritätsbekundungen für die Soldaten. Viele Bundeswehrangehörige klagen über das "freundliche Desinteresse" ihrer Landsleute, das der frühere Bundespräsident Horst Köhler so treffend beschrieben hat. Als besonders freundlich empfinden die meisten Soldaten das Desinteresse jedoch nicht.

Noch viel stärker als 9/11 wirken in Deutschland indes die Erfahrungen von zwei Weltkriegen nach. "Frieden schaffen ohne Waffen" scheint in der Bundesrepublik immer noch populärer zu sein als die Übernahme von Verantwortung in einem so fernen Teil der Welt wie Afghanistan. Das dürfte sich auch mit dem geplanten Abzug der Kampftruppe 2014 aus Afghanistan nicht ändern.