Bei der Landtags- und Kommunalwahl in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich nach ersten Einschätzungen eine noch geringere Wahlbeteiligung ab als vor fünf Jahren. Die Landeswahlleiterin in Schwerin sagte, dass etwa 30 Prozent der Wahlberechtigten bis 14 Uhr ihre Stimme in den Wahllokalen abgegeben hätten. Bei der Landtagswahl 2006 waren es zu diesem Zeitpunkt 35,4 Prozent gewesen.

Rund 1,4 Millionen Bürger sind aufgerufen, über die Verteilung der 71 Sitze im Landesparlament in Schwerin zu entscheiden. Um die 71 Sitze im Landtag bewerben sich 341 Kandidaten, 16 Parteien treten zur Wahl an.

Per Anzeige in Sonntagsblättern hatten Politiker der demokratischen Parteien nochmals für eine hohe Wahlbeteiligung geworben. "Ich hätte mir eine bessere Wahlbeteiligung gewünscht", sagte Wahlvorsteher Dieter Niesen im Wahlbezirk 47 Schwerin, wo auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am Morgen seine Stimme abgab. "Wir liegen im Vergleich zu den anderen Jahren etwas unter dem Durchschnitt."

Als erste der Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gab am Morgen die Grünen-Politikerin Silke Gajek ihre Stimme ab. Ihrer Partei werden gute Chancen gegeben, erstmals in den Schweriner Landtag einzuziehen. "Die Stimmung im Wahlkampf war für uns sehr gut, in Umfragen lagen wir stets bei sieben bis acht Prozent. Ich bin sicher, dass wir es schaffen", sagte die 49-Jährige. Gelingt es den Grünen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen, wären sie in allen deutschen Landesparlamenten vertreten.

Alle Meinungsumfragen sagen einen klaren Sieg der SPD mit ihrem Ministerpräsidenten Erwin Sellering voraus. Der mitregierenden CDU hingegen droht eine weitere Schlappe im Superwahljahr 2011, das in zwei Wochen mit der Berlin-Wahl endet. Auf einen Koalitionspartner wollte sich Sellering vor der Wahl nicht festlegen, er hält sich sowohl die Fortführung der bisherigen rot-schwarzen Regierung als auch ein Bündnis mit der Linkspartei offen. 




FDP und NPD zittern

Fraglich ist hingegen der Wiedereinzug von FDP und NPD, die in den Umfragen unter der Fünf-Prozent-Hürde lagen.

Wichtig für die beiden Parteien könnte noch der Umstand werden, dass der Wahlkreis Rügen I erst zwei Wochen später abstimmt. Dort war während des Wahlkampfs ein CDU-Kandidat gestorben, weshalb die Landeswahlleitung den Termin für Rügen um 14 Tage verschob. Sollten NDP oder FDP nun knapp über oder unter der Fünf-Prozent-Hürde landen, könnten die Wähler auf Rügen ihre Stimme strategisch einsetzen, um die Parteien gezielt aus dem Landtag zu werfen.

Bei der Landtagswahl 2006 landete die SPD mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU (28,8). Die Linke erzielte mit 16,8 Prozent eines ihrer schlechtesten Ergebnisse, die FDP mit 9,6 Prozent einen Rekordwert. Die rechtsextreme NPD erreichte 7,3 Prozent, die Grünen scheiterten mit 3,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

Neben dem Landtag werden zugleich die Kreistage und die Landräte neu gewählt. Außerdem können die Bewohner über die Namen der sechs neuen Großkreise entscheiden. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr. Mit ersten Zwischenergebnissen wird ab 19 Uhr gerechnet. Das offizielle Endergebnis steht erst nach der Nachwahl im Wahlkreis Rügen I am 18. September fest.