Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, als Konsequenz aus der Euro-Krise mehr nationale Kompetenzen an die Europäische Union abzugeben. In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel plädiert er für eine stärkere Integration Europas und die Ernennung eines gemeinsamen europäischen Finanzministers, der vom Europäischen Parlament kontrolliert wird. Schröder schlug die Bildung eines "besonderen Ausschusses" des Europaparlaments vor, in dem Mitglieder der Euro-Zone eine Kontrollfunktion übernähmen.

Die Reformen seien angesichts der Konkurrenz der Weltregionen notwendig, man solle jetzt "nicht länger fackeln, sondern Ernst machen mit Kern-Europa", forderte Schröder. Europa und seine Nationalstaaten würden sonst zwischen Asien unter der Führung Chinas und einem wieder erstarkten Amerika in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Für eine gemeinsame Wirtschaftsregierung

Über die Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy für eine gemeinsame Wirtschaftsregierung äußerte sich Schröder positiv. Auch hier verwies er auf seine Vorstellung eines Kern-Europas: "Die Entscheidung über die konkrete Ausgestaltung der Wirtschaftsregierung dürfen nur die Mitglieder im Euro-Raum treffen und nicht der Rat als Ganzes."

Kritisch äußerte sich Schröder dagegen über die Rolle der Briten in der EU. Das Land sei nicht im Euro, wolle aber trotzdem immer bei der Gestaltung eines Wirtschaftsraums mitreden. Das gehe nicht zusammen.

Der Altkanzler unterstützte das von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Spiel gebrachte Ziel der Vereinigten Staaten von Europa und sprach sich in diesem Zusammenhang für eine Mitgliedschaft der Türkei und eine Assoziierung Russlands aus.