Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen zeichnet sich eine vergleichsweise geringe Wahlbeteiligung ab. Bei teilweise heftigem Regen gaben nach Angaben von Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach bis 12 Uhr lediglich 19,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Damit lag die Beteiligung da um 3,2 Prozentpunkte niedriger als bei der Wahl 2006 (22,3 Prozent). Im Westteil der Stadt lag die Beteiligung bis zum Mittag höher (19,3) als im Ostteil (18,9) Prozent.

Noch bis 18 Uhr haben die 1.736 Wahllokale geöffnet. Rund 2,47 Millionen Wahlberechtigte sind dazu aufgerufen, über die mindestens 130 Sitze im Landesparlament zu entscheiden. Parallel zur Abgeordnetenhauswahl werden auch die zwölf Berliner Bezirksparlamente gewählt, die die Bezirksbürgermeister bestimmen.

Der SPD-Spitzenkandidat und Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wählte am Morgen in einem Jugendkulturzentrum. Er war mit seinem Lebenspartner gekommen. Wowereit sagte: "Die Leute sollen wählen gehen, damit die Kleinen nicht so viel Macht bekommen." CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel wählte in Begleitung seiner Eltern. Er sagte: "Ich fühle mich gut und bin optimistisch." Die Grünen-Rivalin Renate Künast kündigte bei ihrer Stimmabgabe den Umstehenden an, dass sie guten Mutes sei und "heute sogar den Mittagsschlaf ausfallen lässt." Etwa 450.000 Berliner haben sich bereits per Briefwahl an der Wahl beteiligt.

Alle Meinungsumfragen sagen für die Wahl zum Abgeordnetenhaus einen klaren Sieg für die SPD voraus.

Wowereit kandidiert für seine dritte Amtszeit. Die Beteiligung bei der letzten Wahl im Jahr 2006 lag bei 58 Prozent. Damals landete die SPD mit 30,8 Prozent deutlich vor der CDU, die auf 21,3 Prozent kam. Die Linke erhielt 13,4 Prozent, die Grünen lagen mit 13,1 Prozent knapp dahinter auf dem vierten Platz. Die FDP erreichte 7,8 Prozent. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate gibt es derzeit 149 Abgeordnete im Berliner Landesparlament.

22 Parteien stehen zur Wahl, davon haben nach jüngsten Umfragen nur fünf bis sechs Parteien realistische Chancen auf den Einzug auf Landesebene. Erstmals könnte die Piratenpartei in ein Landesparlament in Deutschland einziehen. Eine Fortsetzung der Koalition mit der Linkspartei ist allerdings unwahrscheinlich. Die Grünen könnten mit ihrer Spitzenkandidatin Renate Künast deutlich zulegen und Regierungspartner der SPD werden. Eine Koalition der SPD mit der CDU gilt als wenig wahrscheinlich.