Peter Altmaier haut so schnell nichts um. Als Parlamentarischer Geschäftsführer von 237 Unions-Bundestagsabgeordneten ist der Saarländer Kummer gewöhnt. Schließlich ist es seine Aufgabe, gemeinsam mit den anderen Fraktionsgeschäftsführern Mehrheiten im Parlament zu organisieren. Einfach ist das nie, doch Altmaier begegnet seiner Aufgabe stets mit demonstrativer Fröhlichkeit.

Auch, wenn es um die heftig umstrittene Ausweitung des Euro- Rettungsfonds EFSF geht. Zahlreiche Abgeordnete hatten die Fraktionssitzungen von FDP und Union am Montagabend dazu genutzt, ihren Missmut deutlich zu machen : Bei der Frage, ob das EFSF-Gesetz in den Bundestag eingebracht werden soll, stimmten 25 Abgeordnete nicht dafür. Sie votierten vielmehr mit "Nein" oder enthielten sich. 19 stammten aus der Union. Wäre das schon die finale Abstimmung im Bundestag über das Gesetz gewesen, hätte Angela Merkel zwar eine Mehrheit in der eigenen Koalition bekommen, aber sie wäre knapp gewesen. Zu knapp, um eine symbolisch wichtige Kanzlermehrheit zu sein.

Das Thema beunruhigt daher die Unions-Führung. Auch wenn Peter Altmaier das natürlich nicht zugeben will. Bei seiner traditionellen Pressekonferenz am Dienstag erzählte er lieber Anekdoten aus seinen früheren Zeiten als "junger Wilder": Auch er habe ein paar Mal in der Fraktion gegen Gesetze gestimmt, um seinen Unmut zu zeigen und Änderungen zu bewirken. Doch bei der Schlussabstimmung im Parlament sei er immer solidarisch mit seiner Fraktion gewesen, beteuerte Altmaier. Er gehe daher davon aus, dass die Zahl der Abweichler in der Union auch beim EFSF am Ende überschaubar sein werde.

CDU-Ideen verstören die Konservativen

Doch auch Altmaier weiß, dass die Abstimmung am 29. September ein wichtiges Datum für Merkel sein wird. Manche sagen, der Tag werde über ihre Zukunft als Kanzlerin entscheiden.

Es hat sich einiges zusammengebraut: Merkels CDU hat bei den allermeisten Landtagswahlen in diesem Jahr schwach abgeschnitten, zuletzt vor gerade zwei Tagen in ihrer Heimat, in Mecklenburg-Vorpommern . Das liegt auch an der Unzufriedenheit der Bürger mit der schwarz-gelben Bundesregierung. Gerne würden die Christdemokraten ausschließlich der erfolglosen FDP die Schuld für alles geben. Doch zu Koalitionsstreitereien gehören immer zwei. Und die fadenscheinig argumentierte 180-Grad-Drehung in der Atompolitik lasteten die Bürger vor allem der CDU an.

In dieser Legislaturperiode verabschiedeten sich die Christdemokraten außerdem von lieb gewordenen konservativen Positionen. Die CDU schaffte nicht nur die Wehrpflicht und das Atomzeitalter ab. Sie kann sich jetzt auch vorstellen, Haupt- und Realschule zusammenzulegen. Und sie denkt laut über Möglichkeiten für einen Mindestlohn sowie über die Frauenquote in Unternehmen nach. Das alles verärgert manch langjähriges Mitglied und führt zu einer Frage, die auch anderen Parteien bekannt vorkommt: Wofür stehen wir eigentlich noch?